«Das Gelobte Land» – Ein Kinderbuch

Bauernjunge Jack und Prinz Leo verlieben sich in einem Land, in dem es keine Rolle spielt, wen man liebt.
Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Abenteuer, Verantwortung und Liebe – ganz egal ob straight oder nicht.

Pünktlich zum Valentinstag erschien gestern das neuseeländische Kinderbuch «Promised Land» – oder zu Deutsch «Das Gelobte Land». Die Geschichte ist für fünf bis zehnjährige Kinder gedacht und wurde liebevoll mit 32 Disney-ähnlichen Illustrationen ausgeschmückt. Es handelt von einem Prinzen, der sich Schritt für Schritt in einen Bauernjungen, den er erstmals im Wald trifft, verliebt.

Weltweite Unterstützung
Die beiden Autoren Adam Reynolds und Chaz Harris hatten letztes Jahr mithilfe einer Kampagne, die sie noch immer auf kickstarter.com präsentieren, genügend Geld gesammelt, um ihren Traum vom eigenen LGBT-freundlichen Kinderbuch in die Realität umsetzen zu können. Das Buch hätte eigentlich schon im Oktober 2016 auf den Markt kommen sollen, dauerte jedoch länger als erst angenommen und so wurde der Release-Termin um einige Wochen verzögert. Dies schien den 796 Unterstützern und Unterstützerinnen aus der ganzen Welt jedoch egal zu sein, sie unterstützen Reynolds und Harris weiterhin, kommentieren mit aufmunternden Worten und freuen sich auf den Moment, wenn sie ein fertiges Werk in den Händen halten dürfen.

Die beiden Autoren sind stolz auf ihr Werk: «Promised Land» ist , was ihnen als Kinder immer gefehlt hatte.

Liebe bleibt Liebe
Nach Aussage der Autoren ging es ihnen mit «Promised Land» hauptsächlich darum, den Kindern unserer Zeit eine Geschichte zu präsentieren, die sie – Reynolds und Harris – selbst nicht hatten lesen dürfen, als sie noch klein waren: LGBT-freundliche Geschichten für Kinder erschienen erstmals zum Jahrtausendwechsel als «Normalität» auf dem Markt, zuvor konnten solche Bücher lediglich bei LGBT-Organisationen oder Fachpersonal bezogen werden.



«Kinder brauchen Geschichten mit Hauptrollen, in die sie sich hineinfühlen können», machten die Autoren in einem Statement klar. «Als ich klein war, fühlte ich mich unglaublich einsam, es gab keine Märchen mit homosexuellen Helden und ein Happy End für schwule Prinzen war unvorstellbar.» Mit «Promised Land» soll dies nun ändern: Das Märchen spielt an einem Ort, «der nicht weit von uns entfernt liegt», und «an dem es keine Rolle spielt, ob man nun Männer oder Frauen liebte». So kreierten die Autoren für ihr Werk ein Land der Toleranz und Selbstverständlichkeit, ohne dies bewusst auszusprechen: Die Akzeptanz der Homosexualität wird nicht zusätzlich thematisiert, sondern als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Aufgrund dieser Tatsache kann das Buch von allen und nicht nur von «queeren» Jungs gelesen werden.

Das neue Märchen kann einfach als E-Book gekauft und sofort gelesen werden.

Die Plattform «Odyssey» veröffentlichte am 9. Januar folgende Kritik auf dem Web: «It has all of the elements of a great children’s book; adventure, an evil villain, a brave hero and even a cute animal sidekick. It also happens to have two male characters that fall in love.» («Es hat alles, was ein gutes Kinderbuch braucht: Abenteuer, ein Bösewicht, ein mutiger Held und sogar ein putziges Tierchen in der Nebenrolle. Zudem sind es zwei männliche Charaktere, die sich verlieben.»)

LGBT-freundlich
Wer das Buch gerne kaufen möchte, um sich selbst einen Eindruck zu vermitteln, kann HIER die offizielle Shop-Seite besuchen und auswählen, in welcher Form er das Märchen gerne erwerben möchte: Es gibt eine gedruckte Version, die jedoch sehr teuer ist, wenn man den Versand nach Europa dazurechnet, und es sind verschiedene E-Books erhältlich. Zurzeit kann das Buch noch nicht in deutscher Sprache erworben werden, erhältlich ist es aber auch schon in Spanisch und Portugiesisch.

Wer generell auf der Suche nach Kinderbüchern mit gleichgeschlechtlichen Paaren oder Regenbogenfamilien ist, sollte einen Blick in unser letztes Magazin werfen, dort stellen wir euch nicht nur mehrere themenbezogene Geschichten wie «Joscha und Mischa, diese zwei» oder «Keine Angst in Andersrum» von Olivia Jones vor, sondern wir sprechen auch mit Kinderbuchexpertin Elisabeth Eggenberger über aktuelle Kinderbuch-Trends.

Januar/Februar 2017, Schweizer Ausgabe