Nach Protesten: Maritim-Hotel distanziert sich von AfD

Maritim
Foto: Maritim/Facebook
Die Maritim Hotels wollen "gegenwärtig keine weiteren Räumlichkeiten an die AfD vergeben“. Zuletzt hatte u. a. der Völklinger Kreis seine Reservierung storniert.

Die Proteste gegen das Kölner Maritim-Hotel zeigen Wirkung: Weil dort im April der Bundesparteitag der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) stattfindet, hatte zahlreiche Gruppen und Organisationen ihre Buchungen abgesagt. Die Partei kämpft u.a. gegen ein Adoptionsrecht für Homopaare und gegen die Behandlung gleichgeschlechtlicher Liebe im Unterricht. Mitglieder der AfD äußern sich immer wieder auch homophob: So hatte etwa der Berliner Direktkandidat Kay Nerstheimer Schwule und Lesben als „degenerierte Spezies“ bezeichnet.

LGBTI-Community: „zutiefst irritiert“

Zuletzt hatte auch der Berufsverband schwuler Führungskräfte und Selbstständiger, der „Völklinger Kreis“, seine Reservierung im Maritim storniert. Man wollte dort ursprünglich seinen Business-Empfang zum CSD im Juli 2017 abhalten; der soll nun an einen anderen Ort verlegt werden.

Im Absageschreiben des nordrhein-westfälischen Landesverbandes heißt es, die Entscheidung des Maritim, den AfD-Parteitag auszurichten, habe die „LGBTI-Community in Köln zutiefst irritiert“, „da die parteipolitischen Ziele nicht in Einklang zu bringen sind mit den Forderungen der LGBTI-Community“. Die AfD bewege sich politisch „im nationalsozialistischen, rechtsextremem und rassistischen Bereich“.

Mahnwache vor dem Hotel

Zuvor hatten die Studenten der Fachschaft Wirtschaft ihren Absolventenball im Maritim abgesagt, und am Samstagabend hatten etwa 50 Menschen bei einer Mahnwache vor dem Kölner Hotel gegen den geplanten Bundesparteitag der AfD demonstriert.

Das Hotel hat gestern nun in einer Stellungnahme mitgeteilt „sich deutlich von der aktuellen politischen Ausrichtung und Gesinnung der AfD zu distanzieren“. Die Maritim Hotels würden „gegenwärtig keine weiteren Räumlichkeiten an die AfD vergeben“, heißt es weiter.

Beim Parteitag am 23. und 24. April wird es aber wohl bleiben. Man habe der Partei angeboten, kostenfrei aus dem Vertrag zurückzutreten, wird Geschäftsführer Gerd Prochaska in der Pressemitteilung zitiert. Doch davon sei „bedauerlicherweise“ kein Gebrauch gemacht worden. „Nach eingehender juristischer Prüfung ist ein Zurücktreten seitens Maritim leider nicht möglich“, erklärte er.

Es ist nicht unsere Aufgabe, die inhaltliche Ausrichtung dieser Interessensvertretungen zu bewerten.

Noch Ende 2016 hatte sich Prochaska von den Protesten ungerührt gezeigt und mitgeteilt, es sei „nicht unsere Aufgabe, die inhaltliche Ausrichtung dieser Interessensvertretungen zu bewerten oder sie als unsere Kunden auszuschließen, wenn sie zur demokratisch legitimierten Parteienlandschaft in Deutschland zählen”.

Auf der Facebook-Seite des Kölner Hotels war im Dezember ein Shitstorm losgebrochen. „Ihr unterstützt den CSD, gebt euch tolerant und weltoffen und gestattet dann der AfD, die gerade in den letzten 2 Tagen deutlichst ihr wahres hetzerisches Gesicht gezeigt hat, bei Euch ihren Bundesparteitag abzuhalten?”, fragte ein User. Ein anderer wies auf „den Geist und die Toleranz dieser Stadt” hin und kündigte an, keine Veranstaltung mehr im Maritim zu besuchen. Im Rahmen des CSD findet dort auch alljährlich die feierliche Benefiz-Gala der AIDS-Hilfe statt.

Maritim – „Stammsitz der AfD“?

Die Maritim Hotelgesellschaft mbH ist eine der größten Hotelketten in Deutschland. Im Berliner Haus durfte 2011 bereits der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders auftreten. 2016 hielt die Berliner AfD dort ihren Landesparteitag ab, auch in den Maritim-Häusern in Stuttgart, Gelsenkirchen und dem niedersächsischen Braunlage hatte es Veranstaltungen der Partei gegeben. Das „Kölner Bündnis gegen Rechts“ bezeichnete die Hotelkette schon als „Stammsitz der AfD“ und wies daraufhin, dass das Maritim sich in seinem Verhaltenscodex der „Achtung der Menschenrechte“ verschrieben habe. „Forderungen von AfD-Politikern, an Grenzen auf Flüchtlinge zu schießen, dürften damit kaum in Einklang zu bringen sein, um nur ein Beispiel für die menschenverachtende Politik der AfD zu nennen“, hieß es auf der Homepage des Bündnisses.

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