Musikvideo: Schwuler Kuss in der Kirche

Nach seinem Coming-out letzten Sommer wagt der christliche Sänger Trey Pearson mit dem Song «Silver Horizon» das Comeback. Das Musikvideo vereint Religion und Homosexualität – mit einer Kussszene in einer Kirche.

Mit seinem Coming-out letzten Juni warf der Sänger und Frontmann der christlichen Band «Everyday Sunday» hohe Wellen. In einem offenen Brief outete sich der verheiratete Familienvater als schwul.

«Ich wollte nie schwul sein. Ich hatte Angst davor, was Gott und alle Menschen, die ich liebe, denken würden», schrieb der heute 36-Jährige. Wenn die Ehrlichkeit über seine, von Gott geschaffene Person, kein Verständnis zuteil werde, wisse er nicht, wann das der Fall sein sollte. «Es ist, als wäre die Last, die ich all die Jahre getragen hatte, von meinen Schultern gefallen. Ich habe nie derartige Freiheit gefühlt.»

Nun wagt Pearson sein Comeback als Solosänger. Mit dem Musikvideo zu seiner neuen Single «Silver Horizons» erzählt der Amerikaner eine Geschichte, die viele Parallelen zu seiner eigenen aufwirft. Wir sehen einen jungen Schwulen, der in einer Kirche vor versammelter Gemeinde singt. Am Ende seiner Performance stürmt ein anderer Mann auf die Bühne und die beiden teilen einen innigen Kuss.

«Nachdem man jahrelang versucht hat, einen grossen Teil seines Lebens zu unterdrücken, zu ignorieren … fühlt es sich an, als ob ein Ventil geplatzt sei», sagt Pearson gegenüber der Huffington Post. «Ganz ehrlich: Ich habe im letzten Jahr so viele Lieder geschrieben wie niemals zuvor. Ich hatte einfach so viel zum Verarbeiten.»

Steht sowohl zu seinem Glauben als auch zu seiner Homosexualität: Der christliche Sänger Trey Pearson. (Bild: YouTube)

Obwohl sich Pearson vor seinem medialen Coming-out seiner Familie und seinen Freunden anvertraute, sei der Weg zur Akzeptanz «schwierig» gewesen. Er trennte sich von seiner Frau Lauren, die beiden teilen aber weiterhin das Sorgerecht für ihre beiden Kinder. Letzten September wurden Pearson und seine Band vom christlichen Festival «Joshua Fest» ausgeladen, nachdem elf Mitglieder aus dem Organisationskomitee mit einem Boykott gedroht hatten.

«Es ist verrückt, dass man dich demütigen will, nur weil du dein wahres, bestes Ich zeigst», sagt Pearson, der «aufgeregt» war und sich «geehrt» fühlte, als erster offen schwuler Headliner des christlichen Festivals aufzutreten. Am «Joshua Fest» konnte er schliesslich doch noch auftreten, nachdem ihn die Band Five Iron Frenzy für ihre Zugabe auf die Bühne gebeten hatte.

«Silver Horizon» soll nur das erste von Pearsons Solowerken sein. In Planung sind zwei EPs und ein Album.