Deutschland nimmt ersten Tschetschenen auf

Auswärtiges Amt
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In einem Fall wurde ein Visum erteilt, der Mann aus Tschetschenien konnte am 6. Juni nach Deutschland ausreisen.

Spätestens als  in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass Frankreich einen Mann aus Tschetschenien aufgenommen hat, stellte sich für viele die Frage: Hilft Deutschland auch den von Verfolgung und Folter betroffenen Schwulen aus der russischen Teilrepublik? Die Mannschaft hat beim Auswärtigen Amt nachgefragt, und erfuhr nun: Die Bundesrepublik hat am Dienstag den ersten Mann aufgenommen. Weitere vier könnten folgen.

  Wir sind froh, dass wir in besonders schwierigen Fällen helfen können.


„An die deutsche Botschaft in Moskau wurden fünf Fälle von Betroffenen herangetragen“, erfuhren wir aus dem Auswärtigen Amt. „Die Bundesregierung prüft in allen Fällen, welche Unterstützung im Sinne und Interesse der Betroffenen jeweils geleistet werden kann. Bisher haben sich vier Fälle soweit konkretisiert, dass eine Anhörung erfolgte. In einem Fall wurde ein Visum erteilt und der Betroffene konnte am 6. Juni nach Deutschland ausreisen. Wir sind froh, dass wir in besonders schwierigen Fällen helfen können.“

Bei einem gemeinsamen Treffen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgefordert, sich für den Schutz der Menschenrechte und Minderheitenrechte einzusetzen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Sotschi nannte sie u.a. die Rechte der Homosexuellen in Tschetschenien.

Litauen hilft, USA nicht

Anfang April wurde bekannt, dass in der Nordkaukasus-Republik seit Februar mehr als 100 Homosexuelle festgenommen und in Lagern gefoltert worden waren, mindestens drei Männer sollen getötet worden sein. Daraufhin hatte das Russian LGBT Network eine Helpline für betroffene Männer eingerichtet, die sich per Telefon oder per Mail an die Organisation wenden konnten. Viele Personen konnten so in Sicherheit gebracht werden. Litauen hatte Ende Mai erklärt, man habe zwei geflüchtete Tschetschenen aufgenommen. Die USA dagegen hatten beschlossen, vorläufig keine Flüchtlinge aus Tschetschenien aufzunehmen.

Die Führung des Landes um den Diktator Ramsan Kadyrow hatte die Anschuldigungen als Lüge zurückgewiesen. Es gebe in Tschetschenien gar keine Homosexuellen, sagte ein Sprecher.