Hochzeit ohne Zwischenfälle

Illustration: Melanie Carrera
Lieber Marco, mein Verlobter und ich planen zu unserer Verpartnerung ein grosses Fest, zu dem wir sowohl viele Freunde als auch erweiterte Familie einladen möchten. Unter meinen Verwandten wissen nicht alle, dass ich schwul bin. Wäre es heikel, sie nur deswegen nicht einzuladen? Oder soll ich ihnen einfach eine Einladung schicken und schauen, wie sie reagieren? Bei der Familie meines Partners hat es zudem einige Personen, die zwar nichts gegen uns haben, aber allgemein nicht viel für die Community übrig haben. Wie verhindern wir, dass diese am Fest mit blöden Sprüchen unsere Freundinnen und Freunde beleidigen, von denen viele schwul oder lesbisch sind?
-Simon (32)

Lieber Simon, herzlichen Glückwunsch zu eurer Hochzeit! Ich mag diese Unterscheidung zwischen «heiraten» und «die Partnerschaft registrieren» gar nicht. Das ist etwas für (homophobe) Juristen und Politiker, die einen Unterschied zwischen «Normalen» und «diesen da» machen wollen. Und ein Beitrag, den wir gegen diese Diskriminierung leisten können, ist, diese Unterscheidung einfach zu ignorieren.

Nun aber zu deinem Anliegen: Nicht alle deine Verwandten wissen, dass du schwul bist – spätestens mit der Einladungskarte zu eurem Fest merken sie es dann ja wohl. Verwandte sind übrigens nicht so naiv, wie man gemeinhin annehmen möchte: Gut möglich, dass sie es alle wissen und damit erstens kein Problem haben und zweitens einfach nicht darüber sprechen (weil es im Grunde ja auch nichts darüber zu sprechen gibt). Darum ja: Schickt eine Einladung, und ihr werdet ob der vielen positiven Reaktionen überrascht und erfreut sein!

Man muss einzelne Menschen nicht mögen, weil sie zu einer Community gehören. Umgekehrt kann man Menschen mögen, auch wenn man deren «Gemeinschaft» nicht mag. So kenne ich beispielsweise viele sympathische Bauern, die «Community» als solches ist mir aber ein Graus. Und trotzdem käme es mir niemals in den Sinn, an einer Hochzeitsfeier eines befreundeten Bauern, wo es bestimmt viele andere Landwirte gibt, negativ über diesen Berufsstand zu zoten oder spotten. Das hat etwas mit Anstand zu tun. Sollte es unter deinen Neuverwandten tatsächlich Menschen geben, die in Windes­eile durch die Kinderstube gedüst sind, so müsst ihr euch schon fragen, ob ihr euer Fest überhaupt in deren Gesellschaft verbringen möchtet.

Obwohl ich glauben möchte, dass der Mensch im Grundsatz gut und anständig ist, hat mich das Leben oft eines Besseren belehrt. Die Devise lautet darum: Vorsorgen ist besser als heilen. Ein so grosses und rauschendes Fest, wie eures zu werden verspricht, kann nicht ohne Zeremonienmeister bewältigt werden. Bei gleichgeschlechtlichen Hochzeiten braucht es formell keine Trauzeugen, die diese Arbeit übernehmen könnten. Mein Tipp an euch: Tut euch trotzdem welche zu. Sie nehmen euch viel Arbeit ab und können nebenbei für Ordnung unter den Verwandten sorgen, sollte das denn vonnöten sein.

Es grüsst euch,

Marco

Brennt eine Frage zum guten Ton oder zu verzwickten Liebes- oder Freundschaftssituationen? Frag Marco, eine Antwort hat er bestimmt auf Lager. Ob sie dir gefällt, ist allerdings die andere Frage – marco@mannschaft.com.