Mashrou’ Leila: Erneute Absage aus Jordanien

Mashrou' Leila
Foto: Facebook/Mashrou' Leila
Die Politik wirft der Band vor, den Teufel anzubeten und dass ihre Botschaft den Werten und Traditionen der jordanischen Gesellschaft widerspreche.

Mashrou’ Leila ist eine libanesische Indieband, die für religiöse und sexuelle Freiheit eintritt. Sänger Hamed Sinno lebt seit Jahren offen schwul und zierte schon das Cover des französischen Homo-Magazins Têtu. Die Band ist gerade auf Tournee und wird im Sommer auch in Schweden, England und in Belgien spielen. In zwei Wochen sollten die Jungs in Amman auftreten, doch ihr Konzert wurde jetzt von den Behörden abgesagt. Dasselbe war im vergangenen Jahr Ende April passiert.

Die Band entschuldigte sich am Abend via Facebook bei ihren Fans und wiederholte ihr Statement aus dem Vorjahr: „Zu sagen dass eine Band nicht in Jordanien auftreten darf, weil ihre Songs von Sexualität und Homosexualität handeln oder weil sie das demokratische Recht unterstützen, gegen soziale oder politische Missstände zu protestieren, bedeutete, dass niemand, der in seinen Werken grundlegende Menschenrechte anspricht, auftreten dürfe. Das ist eine ziemlich feindselige Art, mit Menschenrechten und Demokratie umzugehen.“

Mashrou' Leila
Foto: Facebook/Mashrou‘ Leila

Einladen, dann absagen, dann wieder einladen und wieder absagen

Das Vorgehen der Behörden – erst einladen, dann absagen, dann wieder einladen und wieder absagen und zwar binnen 14 Monaten – vermittle die Botschaft, dass die jordanischen Behörden nicht vorhätten, sich von dem fanatischen Konsersativismus abzugrenzen, der seit einem Jahrzehnt die ganze Region vergifte, heißt es im Statement weiter.

Die Band hat außerhalb ihrer Heimat eine große Fangemeinde. Im vergangenen Sommer spielten Mashrou‘ Leila bei der Pride in Toronto. Nachdem die Band im Frühjahr 2016 ihr erstes Deutschland-Konzert in Berlin ankündigte, war es innerhalb von zwei Tagen ausgebucht.

Ihr Konzert in Amman 2016 sollte in einem alten römischen Amphitheater stattfinden, und die offizielle Absage auf Betreiben religiöser Kräfte – und zwar christlicher – lautete: Der Auftritt würde nach Ansicht des Tourismusministeriums die antike Substanz des römischen Theaters gefährden. Tatsächlich hatte die Band zuvor schon mehrfach dort gespielt.

Mashrou' Leila
Mashrou‘ Leila, 2016 in Berlin (Foto: Kriss Rudolph)

Jordanische Zeitungen berichteten jedoch, dass die Politik Mashrou‘ Leila vorwirft den Teufel anzubeten und dass ihre Botschaft den Werten und Traditionen der jordanischen Gesellschaft widerspreche. Auch die katholische Kirche hatte ihrerseits Druck ausgeübt, weil die Band in einem ihrer Lieder die heiligsten Symbole der christlichen Religion in einem unmoralischen Kontext verwende. Die Gruppe stehe für moralischen Zerfall.

Welchen Gott betet Ihr an?


Auf einer Pressekonferenz sagte Sänger Hamed Sinno: „Wenn Forderungen nach Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und sexueller Freiheit Teufelsanbetung sind, frage ich Euch: Welchen Gott betet Ihr an?” Bei den Fans sorgte die Absage des Konzerts für Frust und Enttäuschung: Eine Band zu verbieten, weil man ihre Ansichten nicht mag, sei nichts anderes als Bücherverbrennung im Mittelalter, schrieb ein Fan auf Twitter.

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