Göttlicher Sex – «American Gods» auf DVD und Blu-ray

American Gods
Wurde heiss diskutiert: Die Sexszene zwischen einem biederen Geschäftsmann und einem orientalischen Dschinn. (Bild: «American Gods»)
Heute erscheint die erste Staffel der Fantasy-Serie «American Gods» auf DVD und Blu-ray. Nicht zuletzt dank der angeblich «pornografischsten schwulen Sexszene in der Geschichte des Mainstream-TV» (New York Magazine) wurde der ambitionierte und visuell beeindruckende Mythenmix heiss diskutiert. Aber lohnt sich ein genereller Blick?

Wer noch keine Episode von «American Gods» gesehen hat, der hat wohl zumindest aufgrund einer recht expliziten schwulen Sexszene, die kurz nach Erstausstrahlung der betreffenden Episode überall im Netz diskutiert wurde, von der Serie gehört. Vor einigen Tagen erschien nun die erste Staffel des Fantasy-Epos, das im deutschsprachigen Raum auch bei Amazon abrufbar ist, mit umfangreichem Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray fürs Heimkino.

Hinter der Serie steht der offen schwule und für eher unkonventionelle Serienkost bekannte Produzent und Drehbuchautor Bryan Fuller («Dead Like Me», «Pushing Daisies»), der bei diesem Herzensprojekt nahezu über komplette Narrenfreiheit verfügte und ganz seiner eigenen Vorstellung entsprechend arbeiten konnte. Mit dem amerikanischen Sender Starz fand er ein passendes Network, das sich bereits in der Vergangenheit nicht vor Produktionen für ein Nischenpublikum scheute, die durch explizite Gewaltdarstellungen und Sexszenen aufgefallen sind. «Würde ich jetzt anfangen, Projekte zu beginnen, bei denen ich weiss, dass sie dem Mainstream gefallen, hinter denen ich aber persönlich nicht stehen kann, würde ich mich verkaufen», so Fuller unlängst in einem Interview.

Die geeignete Vorlage zur Serie lieferte ihm der britische Schriftsteller Neil Gaiman, der bereits durch zahlreiche, recht düstere Fantasy-Romane auf sich aufmerksam gemacht hat und mit «American Gods» einen Bestseller landete.

Dieser Kombination aus düsterer Vorlage, einem visuellen Ausnahmetalent als Showrunner und einem mutigen Network ist es zu verdanken, dass die Serie «American Gods» in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und eine Ausnahmeerscheinung in der aktuellen Fernsehlandschaft ist. Aber worum geht es? Nachdem seine Frau überraschend stirbt, wird der Kleinkriminelle Shadow Moon (Ricky Whittle) vorzeitig aus der Haft entlassen. Bald macht er Begegnung mit einem undurchsichtigen Mann, der sich als Mr. Wednesday (Ian McShane) vorstellt und ihm einen Job als sein Bodyguard anbietet. Als immer seltsamere Dinge in seinem Umfeld geschehen, realisiert Shadow Moon, dass er in einen epischen Kampf zwischen Göttern geraten ist. Auf der einen Seite stehen die alten Götter aus der Welt der Sagen und Mythen (u.a. Gillian Anderson), auf der anderen Seite stehen neue Gottheiten, die den Menschen in Gestalt der Massenmedien oder technischer Innovationen erscheinen. Den Alten passt es gar nicht in den Kram, dass ihnen die Neuen langsam aber sicher den Rang abzulaufen scheinen.

«American Gods» ist erstaunlich ruhig erzählt und lässt den Zuschauer lange Zeit ebenso ratlos zurück wie die Hauptfigur Shadow Moon. Für Dinge, die in manch anderer Serie wenige Minuten beanspruchen, nimmt sich «American Gods» ganze Episoden lang Zeit. Doch gerade weil sie mit diesem eher ruhigen Erzähltempo der Schnelligkeit vieler aktueller Produktionen entgegensteht, zieht einen die Serie schnell in ihren Bann.

Besonders visuell weiss die Serie mit düsteren, traumartigen und wie erwähnt recht expliziten Szenen zu überzeugen. Seien es blutige Schlachten oder eine liebeshungrige Göttin, die ihre Sexpartner mit ihren göttlichen Genitalien verschlingt – hier wird an nichts gespart. Gerne folgt man Shadow Moon über die acht Episoden der ersten Staffel hinweg auf seiner gemeinsamen Reise mit Mr. Wednesday.

Dabei bleibt man mitunter verwundert, ja bisweilen sogar etwasverstört zurück. Entziehen kann man sich dem Krieg der Götter aber nur schwer. Zumindest dann, wenn man auf bildgewaltige Fantasy-Epen der eher düsteren Sorte steht. Alle anderen legen vielleicht nur die zweite Disc ein und nehmen mit der eingangs erwähnten schwulen Sexszene vorlieb. In der landet übrigens ein biederer Geschäftsmann mit einem orientalischen Dschinn im Bett. Ganz normal bei «American Gods».

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