Stil in der Hose

Illustration: Dominik Schefer, Olivier Bucher
Herr Bossart mag es nicht, wenn man von Menschen behauptet, sie seien entweder so oder anders. Das Leben ist vielfältiger, als binäre Oppositionen zulassen. Bei der Unterwäsche wagt er nun aber eine solche Einteilung.

Für die einen gilt «Hauptsache bequem», für die anderen «Hauptsache ein angesagtes Label». Für beide Gruppen gilt: falsch! Richtig ist nämlich eine Kombination aus beidem.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen am Morgen zur Arbeit, wo Sie einen Schwächeanfall erleiden und notfallmässig ins Spital eingeliefert werden müssen. Dort sieht dann die versammelte Ärzte- und Pflegeschaft, was sie untenrum tragen. Sie können nun entgegnen, dass es sich hier um einen Notfall handle und es piepegal sei, was die Fachkräfte von Ihrer Unterwäsche denkt. Oder aber Sie kleiden sich so, dass Sie für alle Notfälle gewappnet sind. Beim «Notfall» könnte es sich ja auch um etwas Erfreulicheres wie ein spontanes Schäferstündchen handeln und dann … siehe oben.

Je älter man(n) wird, desto unknapper die Unterwäsche.

Im Grundsatz gilt: Je älter man wird, desto unknapper wird die Unterwäsche. Während enge, sexy Slips bei den 18-jährigen Herren der Schöpfung umwerfend aussehen können, wirkt der gleiche Slip bei einem 50-Jährigen lächerlich. Waschbrettbauch hin oder her; es stimmt einfach nicht. Abgesehen davon soll aber jeder Herr selber entscheiden, was für ihn bequem und gleichzeitig stilvoll ist. Zur Auswahl stehen Slips («Briefs»), Pants (auch «Trunk Shorts» oder «Boxer Briefs») und Boxer Shorts. Herr Bossart ist übrigens sehr erstaunt, dass es hierfür keine deutschen Wörter gibt. Das lässt tief in die kulturelle Unterwäscheseele des deutschsprachigen Raumes blicken.

Persönlich mag Herr Bossart die Pants am besten. Einerseits bringen sie den Allerwertesten (und das vordere Pendant) in die bestmögliche Form und Position, und andererseits zeichnen sich die Nähte nicht durch die Hosen ab (Visible Panty Line – Herrje: schon wieder englisch).

Übrigens: Strings sehen immer und an allen Menschen peinlich aus – verbannen Sie jegliche Erinnerungen an dieses missgeborene Kleidungsstück aus Ihrem Gedächtnis.

Haben Sie eine Frage zu Stil? Fragen Sie Herrn Bossart. Er weiss Rat – bossart@mannschaft.com

Herr Bossarts Tipps

Wer es gerne weiss, rot und blau mag, der ist bei «Le Slip français» gut bedient. Das sympathische Label aus dem Nachbarland möchte dem Slip zum alten Ruhm zurückhelfen und es wieder zum Herzstück der Männermode machen.

Im Angebot sind auch Pants und Boxer und andere Kleidungsstücke, die allesamt in Frankreich produziert werden – leslipfrancais.de

Herren, die gutes Tuch und hohen Tragekomfort schätzen und über genügend Kleingeld verfügen, kaufen Boxer Shorts bei «The perfect Son» aus Barcelona (210 €). Nicht minder stilvoll, zeitlos und etwas erschwinglicher sind die Marken Hanro oder Zimmerli – theperfectson.com

Eine auserlesene Auswahl bietet der Onlineshop «Michelangelo Intimo»– michelangelo.ch

 

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