Faszination Down Under

Outback pur! Der Nordwesten von New South Wales wird von einer rötlichen Steppenlandschaft dominiert.
New South Wales, Australien – Endloses Outback, dampfende Eukalyptuswälder, naturbelassene Küsten­abschnitte, subtropische Inseln, renommierte Weingebiete, flauschige Koalas und flinke Kängurus. Darüber hinaus ist natürlich auch die multikulturelle Gay-Metropole Sydney eine Attraktion für sich.

Im Jahr 1770 betrat mit dem englischen Seefahrer Captain James Cook erstmals ein Europäer australischen Boden. Bis die erste Schiffsflotte aus Europa eintraf, sollte es jedoch nochmals achtzehn Jahre dauern. Bei den ersten Siedlern handelte es sich hauptsächlich um verurteilte Sträflinge aus Grossbritannien, die hier eine neue Kolonie gründen sollten. Zunächst hatten die Neuankömmlinge aber vor allem mit einer Hungersnot zu kämpfen, da keine landwirtschaftlichen Maschinen bereitstanden, um genügend Nahrungsmittel zu produzieren.

Erst nachdem man das Problem mit Unterstützung der Aborigines in den Griff bekam, trafen erstmals auch freie Siedler in Down Under ein. Nachdem 1851 im Süden Australiens erstmals Gold gefunden wurde, löste dies einen immensen Goldrausch aus. Die britische Regierung veranlasste darauf hin sogar, die Gefangenentransporte einzustellen, denn seit alle Welt von Australien und Reichtum träumte, war es keine Strafe mehr, dorthin verbannt zu werden. 1901 schlossen sich die australischen Kolonien zu einem Staatenbund zusammen und erhielten kurze Zeit später die Unabhängigkeit von Grossbritannien. Heute lebt mit rund 7.5 Millionen Einwohnern rund ein Drittel der Bevölkerung Australiens in New South Wales, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Landes.

Die Stadt der Träume
Bei Umfragen zu den schönsten Städten der Welt ist Sydney stets auf den Spitzenrängen zu finden. Dies erstaunt wenig, liegt die grösste Stadt Australiens doch direkt an der malerischen Bucht des Port Jackson, eines der grössten Naturhäfen der Erde. Darüber hinaus bietet die multikulturelle Metropole ein subtropisches Klima mit heissen Sommern und milden Wintern, tolle Strände, viel Natur und mit dem Opernhaus und der Harbour Bridge gleich zwei weltbekannte Wahrzeichen.

Harbour-Bridge
Australische Ikonen: Die Harbour Bridge und das Opernhaus gehören zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Sydneys.

Das Opernhaus, welches mit seiner markanten Optik und den eineinhalb Millionen Fliesen auf dem Dach ein richtiger Blickfang ist, gehört zweifelsohne zu den Meisterwerken der Architekturgeschichte. Als dieses moderne Kulturzentrum 1973 nach vierzehnjähriger Bauzeit eröffnet wurde, waren noch längst nicht alle Bewohner Sydneys davon begeistert. Es dauerte etliche Jahre, bis sich das Opernhaus zum kulturellen Mittelpunkt der jungen australischen Nation und zum Symbol des ganzen Landes entwickelte. Heute ist das Gebäude, das mit rund 2 500 Aufführungen und vier Millionen Besuchern pro Jahr einen wichtigen Beitrag zum Kulturleben der Stadt leistet, jedenfalls nicht mehr aus Sydney wegzudenken.

Unvergessliche Kletterpartie
Ebenfalls fest zum Stadtbild gehört die Sydney Harbour Bridge, die 1932 eröffnet wurde und seither die beiden Küstenstreifen der Stadt miteinander verbindet. Besucher können den stählernen Koloss im Rahmen einer geführten Bridge-Climb-Tour erklettern und dabei gleich noch viele  interessante Details über die Geschichte dieses Bauwerks und der Stadt erfahren (bridgeclimb.com.au).

Gay Life

Homosexualität wird in Australien gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. New South Wales kennt sogar ein Antidiskriminierungsgesetz für Schwule und Lesben. In einigen Bundesstaaten sind sogenannte Lebenspartnerschaften erlaubt – unter anderem auch in New South Wales, wo verpartnerte Paare auch Kinder adoptieren dürfen. Auf Bundesebene werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften jedoch immer noch nicht anerkannt. 2004 ist mit dem sogenannten «Marriage Act» ein Gesetz in Kraft getreten, das die Ehe als Bündnis zwischen Mann und Frau festschreibt. Nichtsdestotrotz hat die Regierung des Bundesterritoriums der Hauptstadt Canberra im Oktober 2013 dafür gestimmt, dass Schwule und Lesben dort künftig heiraten dürfen. Das oberste Gericht des Landes hat dieses Gesetz jedoch wieder gekippt mit der Begründung, dass das vom Australia Capital Territory erlassene Gesetz nicht neben dem Bundesrecht stehen könne. Das australische Parlament müsse über eine mögliche Öffnung der Ehe entscheiden. Ob und wann es das tun wird, steht im Moment noch in den Sternen.

Sydney ist die Gay-Metropole von Down Under und Heimat einer der grössten Schwulenszenen der Welt. Im Gay-Viertel Darlinghurst findet man unzählige Bars, Restaurant und Clubs für jeden Geschmack. Seit 1978 findet hier jeweils im Februar das LGBT-Festival «Mardi Gras» statt. Höhepunkt der dreiwöchigen Veranstaltung ist ein farbenprächtiger Umzug, der 2015 von rund 300 000 Personen verfolgt wurde.

Auf einen Blick

Anreise: Etihad bietet Flüge ab der Schweiz und Deutschland via Abu Dhabi nach Sydney an (ab CHF 970.- / EUR 1 000.-) – etihad.com

Beste Reisezeit: Während des Südsommers von Oktober bis April. In den übrigen Monaten muss mit nassem und kühlerem Wetter gerechnet werden.

Sprache: Die offizielle Landessprache ist Englisch.

Einreise: Schweizer und EU-Bürger benötigen für die Einreise einen gültigen Reisepass sowie ein kostenloses eVisitor-Visum, das online beantragt werden kann.

Sicherheit: Australien gilt als sicheres Reiseziel.

Weitere Informationen: visitnsw.com

In kleinen Gruppen geht es zunächst auf engen Stegen, die unterhalb der Fahrbahn befestigt sind, horizontal bis zum ersten Brückenpfeiler. Von hier aus klettert man nun auf steilen Treppen im Zickzack nach oben, bis man den obersten Brückenbogen erreicht hat. Jetzt ist es nicht mehr weit, bis der mit 134  Meter höchste Punkt der Brücke erreicht ist und man eine einmalige Aussicht über die Stadt, den Hafen und das Opernhaus geniessen kann. Obwohl man während des gesamten Rundgangs stets mit Gurten abgesichert ist, gibt es für Menschen mit ausgeprägter Höhenangst in Sydney sicherlich geeignetere Attraktionen. So beispielsweise den Wild Life Zoo beim Darling Harbour, in dem man sich einen hervorragenden Überblick über die vielfältige australische Tierwelt verschaffen kann. Ebenfalls sehenswert ist das Trendviertel The Rocks, das sich mitten in der Stadt befindet.

Opernhaus
Das Opernhaus von Sydney liegt nur einen Katzensprung vom Finanzzentrum der Stadt entfernt.

Früher lebten hier arme Hafenarbeiter; heute findet man jedoch angesagte Restaurants, Galerien und eine lebendige Kunstszene in diesem charmanten Quartier. An sonnigen Sommertagen locken gleich mehrere attraktive Stadtstrände unzählige Surfer, Badenixen und Erholungssuchende an die erfrischenden Fluten des Pazifiks. Bondi Beach, der bekannteste Strand Sydneys, ist mit dem Bus vom Stadtzentrum aus in rund 45 Minuten zu erreichen. Manly Beach, ein weiterer beliebter Strand, wird quasi vom Opernhaus aus von einer Fähre angesteuert. Auf der kurzweiligen Überfahrt bieten sich tolle Ausblicke auf die Hochhäuser des Finanzzentrums sowie die eleganten Villenquartiere entlang der Hafenbucht. Bevor man sich dann abends im schwul­lesbischen Trendviertel Darlinghurst ins Nachtleben stürzt, sollte man unbedingt einen Abstecher in die Bar des Shangri-La Hotels machen. Nirgendwo sonst lässt sich eine schönere Aussicht über das Opernhaus, die Harbour Bridge und das endlose Lichtermeer der Stadt geniessen als von dieser stylischen Bar im 36. Stockwerk.

Endlose Eukalyptuswälder
Sydney ist die ideale Ausgangsbasis, um viele weitere Sehenswürdigkeiten von New South Wales zu entdecken. Die Blue Mountains, die zum Weltnaturerbe gehören, sind gerade einmal neunzig Fahrminuten vom Stadtzentrum Sydneys entfernt. Das waldreiche Sandsteingebirge ist oftmals in einen blauen Schleier gehüllt, dem die Gegend seinen Namen verdankt. Der Dunst bildet sich aus den verdampften ätherischen Ölen der Millionen Eukalyptusbäume, die hier gedeihen. In Katoomba, dem touristische Hauptort der Blue Mountains, gibt es gleich mehrere atemberaubende Aussichtspunkte. Besonders eindrücklich ist der Echo Point, von dem aus der Blick auf die einzigartige Felsformation «Three Sisters» und endlose bewaldete Schluchten fällt.

Three-Sisters
Die «Three Sisters» thronen hoch über den endlos scheinenden Schluchten der Blue Mountains.

Von hier aus führen kurze sowie auch mehrtägige Wanderungen tief in den Blue-Mountains-Nationalpark. Wer nur wenig Zeit hat, sollte wenigstens eine kurze Rundwanderung machen, die entlang steiler Felswände zu tosenden Wasserfällen führt. Unterwegs sieht man zudem mit ein wenig Glück Koalas und Papageien in den Baumwipfeln. Auf dem Rückweg nach Sydney lohnt es sich, in Glenbrook einen kurzen Halt einzulegen. Hier versammeln sich jeden Abend zahlreiche wilde Kängurus auf den weitläufigen Grasflächen des lokalen Campingplatzes, der sich in einem Waldstück am Rande der Ortschaft befindet. Es macht viel Spass, die pelzigen Beuteltiere beim Grasen zu beobachten, bevor man zurück in den Grossstadtdschungel fährt.

Weinberge und blaue Lagunen
Weinliebhaber werden vom Hunter Valley nördlich von Sydney begeistert sein. Das älteste Weinbaugebiet Australiens umfasst mehr als 150 Weingüter, wobei viele davon Degustationen anbieten. Man kann daher gut und gerne ein paar Tage in einer der gemütlichen Kleinstädte verweilen, tagsüber durch die Weinberge spazieren und sich abends mit kulinarischen Genüssen und einem guten Tropfen verwöhnen lassen. Weiter nördlich gilt es bei Newcastle und Byron Bay schönen Strände und Dünenlandschaften zu entdecken. Sand wie Puderzucker und glasklares türkisfarbenes Wasser findet man hingegen entlang der Jervis Bay südlich von Sydney.

Lord-Howe
Südseetraum: Die subtropische Insel Lord Howe ist mit ihren traumhaften Sandstränden ein echter Geheimtipp.

Entlang der über hundert Quadratkilometer grossen Bucht führt ein Wanderweg in den unberührten Booderee National Park, der für seine zahlreichen Strände, Lagunen und geschützten Badebuchten bekannt ist. Unterwegs sollte man ab und an auch einen Blick aufs Meer werfen, denn von Mai bis November ziehen majestätische Wale der Küste entlang. Delfine sind hier hingegen heimisch und tummeln sich während des ganzen Jahres in der riesigen Bucht. Reisende, die sehr viel Zeit haben und darüber hinaus mit einem geländegängigen Wagen unterwegs sind, können von Jervis Bay aus weiter ins staubtrockene Outback fahren. Nach rund 1 600 Kilometern erreicht man im Sturt Nationalpark die endlos scheinende Sandwüste des roten Zentrums Australiens, in der viele Riesenkängurus leben. Zudem lassen sich hier auch Steinrelikte der Aborigines bewundern.

Australiens Südsee-Traum
Die Inselwelt von Lord Howe, die rund zwei Flugstunden von Sydney entfernt liegt, ist ein echter Geheimtipp. Damit dies so bleibt und um die Umwelt zu schützen, wird der Tourismus hier streng kontrolliert. So dürfen die 350 Inselbewohner höchstens 400 Besucher gleichzeitig bewirten, weshalb man zwingend vor der Anreise eine Unterkunft organisiert haben muss. Schon beim Landeanflug auf Lord Howe fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Auf der einen Seite ragen steile bewachsene Felswände aus dem tiefblauen Pazifik, während sich in die andere Richtung eine in allen Blautönen schimmernde Lagune sowie lange schneeweisse Strände erstrecken. Die zum Weltnaturerbe gehörende Insel Lord Howe ist ein Paradies für Wanderer.

Malabar-Hill
Aussichtspunkt der Extraklasse: Vom Malabar Hill aus kann man den wohl schönsten Blick über Lord Howe Island geniessen.

Auf gut ausgebauten Wanderwegen, die zu den schönsten ganz Australiens zählen, lässt sich fast jeder Winkel des Eilands erreichen. Gleich nordöstlich des gemütlichen Inselhauptortes beginnt ein schöner Rundweg beim Ned’s Beach, einem Schutzgebiet für Wasservögel und Meeresbewohner. Viele Urlauber gehen hier mit Händen voller Toastbrot ins hüfttiefe Wasser, um die bis zu einem Meter langen Fische zu füttern, die gierig auf Nahrung warten. Auch wenn es aussieht, als ob Haie ihre Opfer umkreisten, ist der Spass völlig harmlos und ein tolles Erlebnis. Wer anschliessend dem Strand entlangschlendert, wird schnell unzählige Seeschwalben entdecken, die hier brüten. Da auf der Insel natürliche Fressfeinde fehlen, legen die Vögel ihre Eier einfach in den weichen Sand. Die Wanderung führt nun weiter auf den 208 Meter hohen Malabar Hill, von wo aus man einige der schönsten Panoramablicke über die Insel geniessen kann.

Entlang steil abfallender Klippen und durch subtropische Wälder geht es anschliessend weiter zum Kim’s Lookout, bevor es den Abstieg zur romantischen North Bay in Angriff zu nehmen gilt. Dort angekommen, hat man sich eine Abkühlung im seichten und glasklaren Wasser wahrlich verdient. Hier liegt dem Wanderer auch Lord Howes Lagune mit ihrem fischreichen Riff vor den Füssen. Das weltweit südlichste Korallenriff konnte sich nur deshalb an dieser Stelle bilden, weil eine warme Strömung entlang der australischen Ostküste genau auf der Höhe von Lord Howe auf den Pazifik abdreht. Wer seine Schnorchelausrüstung dabeihat, sollte unbedingt einen Blick unter die Wasseroberfläche wagen, bevor er den Rückweg zur Unterkunft antritt.

Ein Highlight für besonders eingefleischte Wandervögel ist übrigens der steile Aufstieg zum 875 Meter hohen Mount Gower im Süden der Insel. Diese Exkursion, die nur mit einem lizenzierten Führer unternommen werden darf, beginnt morgens bereits vor acht Uhr und dauert dann rund neun Stunden. Wer die körperliche Anstrengung auf sich nimmt, wird unterwegs mit überwältigenden Ausblicken belohnt. Für all diejenigen, die sich diesen Kraftakt nicht zumuten möchten, bietet Lord Howe mehr als genügend Alternativen, um einen perfekten Tag in der Südsee zu geniessen.

Fotos: Andreas Gurtner