Erste Pride in Kosovo: Trotz Drohungen ein gelungener Event

Mehrere hundert Demonstrierende an der ersten Kosovo-Pride mit dem Motto «In the Name of Love».
Am 10. Oktober fand in der kosovarischen Hauptstadt Pristina die erste offizielle Pride des jungen Landes statt. Zuvor schickten religiöse Kreise jedoch den Veranstalter_innen Drohbriefe und Hassbotschaften.

Mehrere hundert Demonstrierende versammelten sich am 10. Oktober im Rahmen der ersten Pride in der Geschichte des Kosovo auf dem Skanderbeg-Platz in Pristina. Die bunte Menschenmenge feierte zu Musik von Beyoncé und der aus dem Kosovo stammenden Pop-Sängerin Dua Lipa und marschierte über den Mutter-Teresa-Boulevard bis hin zum Zahir-Pajaziti-Platz. Dua Lipa widmete der Kosovo-Pride gar einen Tweet.


Politprominenz an der Pride
Die Teilnehmenden des LGBT-Festes konnten zu Beginn der Demo mit dem Motto «In the Name of Love» der Rede von Staatspräsident Hashim Taci, der das Land 2008 in die Unabhängigkeit führte, folgen. Laut der «Prishtina Insight» sei er gekommen, um seine Unterstützung für die LGBT-Community auszudrücken. «Wir werden niemandem in Kosovo erlauben, Angst und Drohungen gegen eine Einzelperson oder gegen eine Gruppe aufzuerlegen», so Taci. In einem Twitterpost schrieb er zudem, dass er mit hunderten LGBT-Aktivisten an der Kosovo-Pride mitmarschiert sei und dass die Liebe in Kosovos Verfassung unter Schutz stünde. Im Kosovo werden homosexuelle Paare rechtlich jedoch nicht anerkannt.


Weitere kosovarische Politiker sowie ausländische Diplomaten wie US-Botschafter Greg Delawie nahmen ebenfalls am Marsch teil. Delawie äusserte sich mit den Worten, dass er sehr glücklich sei, so viele Menschen und Unterstützer an der Pride anzutreffen. Die US-amerikanische Botschaft würde den Event unterstützen.

Organisiert wurde die Pride von den Non-Profit-Organisationen «Kosovo Centre for Equality and Liberty» und «Centre for Social Group Development».

Drohbriefe und Hassbekundungen
Im Hinblick auf die angekündigte Demo gingen bei diversen Medien anonyme Drohmails gegen die Teilnehmer ein. Die religiöse Kleinpartei «Fjala» postete in einem unterdessen wieder gelöschten Facebookpost hasserfüllte Äusserungen. Die Partei holte bei den letzten Wahlen knapp ein Prozent der Stimmen und verpasste somit den Einzug ins Parlament.

Parteichef Gezim Kelmendi schrieb, dass Homosexuelle das Land und das Volk zerstören, dass sie diese Krankheit im Land verbreiten würden und diese im Namen der Demokratie als etwas Normales darstellen. Sprecher des «Kosovo Centre for Equality and Liberty» erklärte gegenüber der «Prishtina Insight», dass Kosovo ein homophobes Land sei, weshalb man mit solchen Kommentaren gerechnet habe. Und genau aus diesem Grund brauche Kosovo eine Pride: «Damit diese Leute direkt mit der LGBT-Bewegung konfrontiert werden».

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