Gimmicks, Games, Gadgets

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Achtung Wortspiel: Yps mit einem lupenreinen Gimmick. (Bild: Frank Richter)
Ja, leck mich fett: Das Yps-Heft (sprich Üps-Heft) ist wieder da. Eigentlich schon seit 2012, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es erst gerade am Kiosk entdeckt habe.

Als Kind entging mir keine Ausgabe des Comichefts mit Gimmick. Dank den beigelegten Spielzeugen wurde ich einen Mittwochnachmittag lang zum Forscher, Geheimagenten oder Zauberer.

Wer in den Neunzigern nie an einem Kiosk stand und mit Yps nichts anzufangen weiss: Das Heft lässt sich am ehesten mit dem Micky-­Maus-­Magazin vergleichen. Die Comics waren zwar immer etwas schlechter und langweiliger als die von Disney, dafür war das beigelegte Spielzeug um Welten besser. Die erste Ausgabe des Hefts erschien 1975.

Das Heft lässt sich am ehesten mit dem Micky-Maus-Magazin vergleichen.

Jedem Exemplar wurde jeweils ein Extra beigelegt. Zum Beispiel ein Solar-Zeppelin oder eine Maschine, um Eier viereckig zu machen. Ein Klassiker waren auch die Uhrzeitkrebse. Winzige Viecher, die im Wasser leben und die man beim Rumschwimmen in Mutters Blumen­vase beobachten konnte. Das Heft erschien bis ins Jahr 1999 im Wochenrhythmus. Dann kaufte der Konkurrenzverlag Egmont Ehapa (Micky Maus) die Rechte an Yps und liess das Heft innerhalb eines Jahres an die Wand fahren.

2012 startete der Verlag nochmals einen Versuch: Nach wie vor mit lustigem Spielzeug, allerdings für eine neue Zielgruppe. Neu sollte Yps die 30 bis 45-Jährigen ansprechen. Also die Menschen, die mit dem Heft aufgewachsen sind. Ein Unterfangen, das meiner Meinung nach vollends gelungen ist. Comics gibt es im hinteren Teil zwar nach wie vor, der Grossteil des Hefts setzt sich allerdings mit Retro-und Nerdkram auseinander. Und das äusserst amüsant.

Der Grossteil des Hefts setzt sich mit Retro- und Nerdkram auseinander. Und das äusserst amüsant.

Themen der aktuellen Ausgabe: Videospiele, die in den Achtzigerjahren verboten waren, Klosprüche aus Sicht eines Wissenschaftlers sowie Kurioses zum 40. Geburtstag von Star Wars. So erfahre ich, dass die Lichtschwerter in den ersten Filmen aus mit reflektierendem Klebeband umwickelten Metallstangen bestanden. Das Band sorgte für das verwischte Nachleuchten der Schwerter. Bei der Szene, in der Darth Vader gegen Obi Wan kämpft, soll Letzterem sogar ein Stück Klebeband aus dem Ärmel hängen.

Ausserdem lerne ich: Spinnen, die man aus der Wohnung entfernt, muss man in mindestens 60 Metern Entfernung aussetzen, da sie sonst den Weg zurück ins Haus finden. Allerdings braucht man sich bei Spinnen in der Wohnung nicht vor einer Invasion zu fürchten. Ab einer bestimmten Dichte beginnen Spinnen, sich gegenseitig aufzufressen. Wie beruhigend.

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Spinnen, die man aus der Wohnung entfernt, finden wieder ins Haus zurück. (Bild: Frank Richter)

Bei vielen Artikeln entsteht beim Lesen dieses wohlige Gefühl von «Stimmt, ich erinnere mich daran.» Zum Beispiel durfte ich in den Neunzigern mal eine Runde Strippoker auf dem C64 spielen. Ein Spiel, das eigentlich verboten war. Die pixelige Darstellung von Samantha Fox’ Brüsten wurde vom Jugendschutz als pornografisch eingestuft. Ich wusste das beim Spielen damals natürlich nicht. Allerdings war ich beim Pokern so schlecht, dass ich es auch im x-ten Versuch nicht schaffte, Frau Fox’ Fleischtüten freizuspielen.

Neben der Nostalgie widmet sich Yps neuen Technik-Gadgets wie einer Drohne, die Selfies schiesst. Das Heft erklärt dem Leser auch, wie er Plätzchen backen kann, die wie ein Stormtrooper aussehen. Und natürlich fehlt beim Neuaufguss das Gadget nicht. Ein Mikroskop zum Selberbauen. Bei dem merke ich allerdings, dass die Idee dahinter nicht mehr ganz zeitgemäss ist. Wenn ich etwas in Grossaufnahme sehen möchte, benutze ich die Bildersuche von Google.

Kaufempfehlung für …
… Nerds, Kinder der Neunziger, Fans von Micky Maus.

Was soll ich als Nächstes lesen? Sags mir auf frank@mannschaft.com.

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