Ein grossartiges Jahr für den schwulen Film

PinkPanorama
Vom 9. bis 15. November werden am Luzerner schwullesbischen Filmfestival queere Filme gezeigt. (Bild: PinkPanorama)
Luzern steht im November ganz im Zeichen des schwullesbischen Filmschaffens. Zwei von internationalen Kritikern hochgelobte Filme feiern am «PinkPanorama» ihre Schweizer Premiere.

Vom 9. bis 15. November findet in Luzern die 16. Ausführung des schwullesbischen Filmfestivals «PinkPanorama» statt. Den Veranstalter_innen ist es gelungen, eine hochkarätige Auswahl schwuler Filme in ih Programm aufzunehmen.

Stürmische Leidenschaft im kargen Yorkshire
So findet beispielsweise am 9. November die Schweizer Vorpremiere von «God’s Own Country» statt. Die Handlung dieses britischen Liebesdramas spielt in der rauen Weidelandschaft des englischen Yorkshire. Der junge Johnny bewirtschaftet den Hof seines arbeitsunfähigen Vaters – eine harte, undankbare Arbeit. Abends betrinkt er sich im lokalen Pub und hat unverbindlichen Sex mit Männern. Für die Ablammsaison im Frühling stellt sein Vater den Rumänen Gheorghe ein, der Johnny bei der Aufzucht der Lämmer helfen soll. Aus anfänglichen Spannungen zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung, die für Johnny weitere Herausforderungen mit sich bringt.

Von der harten Arbeit zusammengeführt: Johnny und der Gastarbeiter Gheorghe.

Das von vielen Kritikern als britische Version von «Broke­back Mountain» bezeichnete Spielfilmdebüt von Francis Lee punktet mit starken Charakteren und einer realitätsnahen Darstellung des harschen Bauernalltags. Der Film feierte am renommierten Sundance Filmfestival seine Weltpremiere und wurde in der Kategorie «Weltkino» gleich für die «beste Regie» ausgezeichnet. Der Film erhielt gute Bewertungen sowohl auf Metacritic.com als auch auf RottenTomatoes.com und konnte auch Kritiker_innen von Mainstreammedien begeistern. So ist «God’s Own Country» gemäss Peter Bradshaw von «The Guardian» eine «sehr britische Liebesgeschichte, die von unausgesprochenen Gefühlen und Ängsten über die Zukunft erzählt und von dem Versuch, solche durch harte körperliche Arbeit zu verdrängen.»

«Coming of age» im trostlosen Brooklyn
Mit «Beach Rats» feiert ein weiteres Drama im Rahmen des PinkPanorama seine Premiere. Der amerikanische Spielfilm von Eliza Hittman dreht sich um den ziellosen Teenager Frankie, der in den Aussenbezirken von Brooklyn aufwächst. Während sein Vater im Sterben liegt, zieht Frankie mit seinen Freunden um die Häuser. Nebenbei flirtet er online mit älteren Männern und klappert die Cruisinggebiete am Strand ab. Weil ihm jedoch seine Mutter ständig in den Ohren liegt, endlich eine Freundin zu finden, geht er eine Beziehung mit der gleichaltrigen Simone ein. Doch Frankies Suche nach Erfüllung hat schwerwiegende Folgen.


Beach-rats
Auf der Suche nach sich selbst: Frankie, der Protagonist von «Beach Rats».

Auch «Beach Rats» feierte am diesjährigen Sundance Filmfestival seine Premiere und wurde in der Kategorie US-amerikanischen Spielfilme mit dem Preis für die «beste Regie» ausgezeichnet. Am Filmfestival von Locarno wurde der von Kritikern als düster und zugleich verträumt bezeichnete Film für den «besten Spielfilm» nominiert.

Walter Pfeiffer auf der grossen Leinwand
Mit Bildern von nackten oder nur spärlich bekleideten Jünglingen machte sich der international anerkannte Zürcher Künstler und Modefotograf Walter Pfeiffer auch in der hiesigen Schwulenszene einen grossen Namen. Am 10. November zeigt PinkPanorama nun die Uraufführung des Schweizer Dokumentarfilms «Walter Pfeiffer – Chasing Beauty», bei dem Iwan Schuhmacher Regie geführt hat.

Walter Pfeiffer beim Aktzeichnen.

Das Publikum erhält einen Einblick in das Schaffen des heute 70-jährigen Fotografen. Von Pfeiffer fotografierte Modelle aus vier Jahrzehnten erzählen, was sie dazu bewog, mit ihm zu arbeiten, und was seine Bilder ihnen heute bedeuten. Pfeiffer selbst begleitet die Erzählung mit Bodenständigkeit, Witz und einem authentischen Sinn für Humor. Im Anschluss an die Uraufführung findet ein Gespräch mit Pfeiffer und Schuhmacher statt.

Aktivismus in Myanmar
Angesichts der gegenwärtigen Schlagzeilen von Gewalt und Verfolgung in Myanmar könnte der Dokumentarfilm «This Kind of Love» nicht aktueller sein. Mit spannendem Archivmaterial erzählt Regisseurin Jeanne Hallacy die Geschichte des schwulen Menschenrechtsaktivisten Aung Myo Min, der nach 24-jährigem Exil 2012 wieder nach Myanmar zurückkehren durfte. Wegen brutaler Razzien gegen Oppositionelle geflohen, schloss er sich im Ausland einer Studentenbewegung an und verliebte sich in einen der Anführer.

Im Anschluss an die Ausstrahlung am 13. November findet ein Gespräch über die Situation der LGBT-Asylsuchenden in der Schweiz statt, unter anderem mit der Juristin Natalie Perino-Bowmann und mit Regula Ott, Koordinatorin von «Focus Refugees» bei Queeramnesty.

Samstagsgespräch mit «fels»
Nebst mehr als einem Dutzend schwuler und lesbischer Spiel- und Dokumentarfilme wird es auch am dies­jährigen Festival eine schwule und eine lesbische Kurzfilmreihe geben, die von Liebe, Schwärmereien und Beziehungen handeln.

Das Samstagsgespräch am 11. November dreht sich um das zwanzigjährige Jubiläum der Organisation «fels – Freundinnen, Freunde, Eltern von Lesben und Schwulen». Nebst zwei Kurzfilmen, die das Elternsein von lesbischschwulen Kindern thematisieren, blickt ein Podium mit Vereinsmitgliedern auf die Geschichte von «fels» zurück und spricht gegenwärtige Herausforderungen an.

Weitere Informationen gibts unter pinkpanorama.ch