Geniesserzeit am See

Die berühmten Weinterrassen des Lavaux am Ufer des Genfersees gehören zum Erbe der Menschheit.
Kristallklare Seen, leuchtende Bergketten, malerische Städte sowie renommierte Hotellerie- und Gastronomiebetriebe: So wird die Schweiz im Ausland als Feriendestination wahr­genommen. Dass dieses Image tatsächlich der Realität entspricht, hat unser Reise­redaktor Andreas Gurtner während dreier aussergewöhnlicher Ausflüge an die schönsten Schweizer Seen hautnah erlebt.

Das Seenland Schweiz ist an Vielfältigkeit kaum zu überbieten. Schätzungen zufolge gibt es in der Eidgenossenschaft zwischen 6000 und 8000 Seen – wenn man alle namenlosen Tümpel, Weiher, Gletscher und Bergseen mitzählt. Und auch Flüsse existieren in der Schweiz zuhauf. Für genügend Neuland entlang der Gewässer ist somit gesorgt. Besonders reizvoll ist es, wenn man sich während einer Auszeit am See auch kulinarisch verwöhnen lassen kann.

Zentralschweizer Riviera 
Der kleine, idyllische Ferienort Weggis liegt am Ufer des berühmten Vierwaldstättersees und zu Füssen der Rigi. Der Ort bietet Ruhe und Erholung und weist dank seiner Südlage ein besonders mildes Klima auf. Im Sommer laden die glasklaren Fluten des Sees zum Badeplausch ein, während man in den übrigen Jahreszeiten von den unzähligen Ausflugsmöglichkeiten profitieren kann. So gehört beispielsweise ein Besuch des Hausberges Rigi zum Pflichtprogramm.

Von Weggis aus gelangt man mit einer Panoramaluftseilbahn zunächst nach Rigi Kaltbad, von wo aus eine Zahnradbahn weiter bis zur Bergstation Rigi Kulm fährt. Oben angekommen, ist der Blick über den Vierwaldstättersee und die Weitsicht bis zu den hohen majestätischen Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau schlicht atemberaubend. Die rund 120 Kilometer Spazier- und Wanderwege dieses Erholungsgebietes lassen das Herz jedes Naturfreundes höherschlagen. Früher hatte ein hoher Herzschlag auf der Rigi oft noch andere Ursachen: Vor dem Bau der Bergbahnen war Weggis nämlich ein wichtiger Ausgangspunkt für die sogenannten Sänftenträger, die wohlhabende Gäste zu Fuss auf den Gipfel trugen und jeweils ziemlich erschöpft oben ankamen.

Vierwaldstättersee
Die gewaltige Naturkullisse des Vierwaldstättersees wirkt vom Wasser aus besonders eindrücklich.

Empfehlenswert sind von Weggis aus auch Schiffsausflüge mit der Vierwaldstättersee-Flotte. Auf dem Wasserweg nach Luzern oder Flüelen bieten sich immer wieder tolle Ausblicke auf die gewaltige Naturkulisse der Zentralschweiz. Besonders schön ist es, mit einem der prachtvoll restaurierten und über hundertjährigen Raddampfer zu fahren und dabei den Charme längst vergangener Zeiten zu spüren. Zurück am Ausgangsort lädt der weitläufige Garten des Park Weggis, der direkt am See liegt, zum gemütlichen Entspannen ein. Den Gästen dieses luxuriösen Hotels mit nur 54 Zimmern und Suiten steht zudem ein überdachter Aussenpool zur Verfügung, sollte das Wetter einmal nicht ganz mitspielen. Wellnessfans können sich auf Wunsch in eines der privaten Spa-Cottages zurückziehen, die mit Dampfbad, Whirlpool und Wasserbett ausgestattet sind. Abends kann der Tag dann in einem der beiden hoteleigenen Restaurants mit kulinarischen Highlights perfekt ausklingen.

Romantische Winzerstadt
Weiter im Westen der Schweiz erfreut sich das Städtchen Vevey, das zwischen dem Genfersee und den Alpen gelegen ist, ebenfalls eines besonders milden Klimas. Die Stadt erlebte ihre Hochblüte in der Zeit der Belle Époque gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als erstmals eine grosse Anzahl gut betuchter Europäer die Schweiz als romantische Feriendestination entdeckte. Noch heute erinnern prächtige Hotels und die blumengeschmückte Seepromenade an diese Zeit.

Charlie Chaplin, der wohl berühmteste Einwohner von Vevey, verbrachte seine letzten 25 Jahre in der Stadt. Ihm ist ein Denkmal am Seeufer sowie das Museum «Chaplin’s World» gewidmet. Ebenfalls einen Besuch wert sind das «nest», ein interaktives Erlebniszentrum von Nestlé, sowie das Alimentarium, das weltweit einzige Museum, das ausschliesslich der Ernährung gewidmet ist.

Chillon
Das Schloss Chillon thront malerisch auf einer Felseninsel im Genfersee.

Geschichtsinteressierte sollten es nicht versäumen, dem Schloss Chillon westlich von Vevey einen Besuch abzustatten. Dieses thront malerisch auf einer Fel­seninsel im Genfersee. Dank der strategisch günstigen Lage wurden von hier aus jahrhundertelang der Schiffsverkehr sowie der Landweg zum St.-Bernhard-Pass beherrscht. Heute lässt sich das gut erhaltene Schloss individuell oder im Rahmen einer Führung besichtigen.

Direkt vor den westlichen Toren von Vevey beginnt die weltbekannte und zum Erbe der Menschheit gehörende Weinbauregion Lavaux. Die herrliche Terrassenlandschaft entlang des Genfersees umfasst mehr als 800 Hektaren, womit sie das grösste zusammenhängende Wein­anbaugebiet der Schweiz bildet. Im 12. Jahrhundert haben hier Mönche erstmals künstliche Terrassen für den Weinbau angelegt, und eine Wanderung durch die Rebberge und die historischen Dörfchen wie beispielsweise Saint-Saphorin fühlt sich ein bisschen wie eine Zeitreise an. Wer die Landschaft mit allen Sinnen erleben will, sollte sie natürlich auch kosten.

Vevey
Die blumengeschmückte Seepromenade von Vevey lädt ganzjährig zum Flanieren ein.

Nach einem Gläschen Chasselas oder Pinot gris macht der weitere Fussmarsch gleich doppelt so viel Spass. Sollte der Weg zurück nach Vevey plötzlich zu lang erscheinen, kann die Strecke natürlich auch mit dem Zug zurückgelegt werden. Dort angekommen, lädt die Lounge im schattigen Garten des Grand Hôtel du Lac mit freiem Blick über den See zum Geniessen ein. Dieses Hotel, dass den familiären Charme einer Privatresidenz versprüht, wurde erst vor wenigen Jahren komplett renoviert. Seither erstrahlt der rund 150-jährige Bau mit lediglich 50 Zimmern und Suiten im neuen Glanz.

Bezauberndes Drei-Seen-Land
In der Grenzregion zwischen der deutschen und französischen Schweiz liegt der idyllische Murtensee, der zusammen mit dem Bieler- und Neuenburgersee das Drei-Seen-Land bildet. Hier trifft das Savoir-vivre der Romandie auf Berner Gemütlichkeit. In der Altstadt von Murten zeugen malerische Gassen, schattige Laubengänge und eine schützende Ringmauer von der über 800 Jahre alten mittelalterlichen Vergangenheit.

Die Ringmauer in Murten ist über 800-jährig.

Die historischen Mauern halten heute jedoch keine feindlichen Eindringlinge mehr ab, sondern öffnen den Besuchern einen prächtigen Blick über die Altstadtdächer und den nahen See. Das kostenlose Besteigen und Begehen der Ringmauer gehört deshalb bei einem Besuch von Murten zum Pflichtprogramm. Anschliessend erreicht man mit wenigen Schritten die schmucke Hauptgasse, an der sich Restaurants, Cafés und Boutiquen aneinanderreihen. Hier bietet sich auch die Gelegenheit, den bekannten Murtner Nidelkuchen zu probieren – eine süsse Spezialität, die aus mehreren Schichten Rahm besteht, die auf einen leichten Hefeteig aufgetragen werden.

Murten
Eine schützende Ringmauer zeugt in Murten von der mittelalterlichen Vergangenheit.

Nun kann man sich gestärkt daranmachen, die Umgebung der Stadt zu entdecken. So lässt sich beispielsweise vom Hügelzug des Mont Vully aus, der sich auf der anderen Seeseite befindet, eine besonders schöne Rundsicht auf Jura und Alpen geniessen. An dessen Hängen gedeihen unzählige Rebstöcke, aus denen erfrischende Weissweine gekeltert werden. Diese können in den Weinkellern und Degustationszentren der Umgebung verkostet werden. Wer gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann das Drei-Seen-Land auf 170 Kilometern Radwegen erkunden. Von Murten aus sind zudem Schiffsrundfahrten bis zum Bieler- oder Neuenburgersee möglich.

Unterwegs führt die Route durch idyllische Kanäle, vorbei an Rebbergen, Winzerdörfern und Gemüsefeldern. Wer anschliessend auch die Nacht direkt am See verbringen möchte, findet in unmittelbarer Nähe zur Altstadt von Murten eine aussergewöhnliche Bleibe. In der Pinte du Vieux Manoir stehen mit dem auf Stelzen stehenden Glasdiamanten, dem maritim gehaltenen Seehaus und dem gemütlichen Bahnwärterhaus nämlich gleich drei einzigartige Wohnformen zur Auswahl. Alle drei Einheiten befinden sich in einem weitläufigen Park und bieten besonders viel Privatsphäre.

Gay Life
Homosexuelle Handlungen sind in der Schweiz seit 1942 legal. Das Schutzalter von 20 Jahren bei homosexuellen Kontakten wurde 1990 auf das einheitliche Alter von 16 Jahren gesenkt. 2005 war die Schweiz das erste Land, das die eingetragene Partnerschaft von gleichgeschlechtlichen Paaren durch eine Volksabstimmung genehmigt hat. Seither können homosexuelle Paare eine der Ehe ähnlichen Lebensgemeinschaft eingehen. Im Dezember 2013 haben die Grünliberalen die parlamentarische Initiative «Ehe für alle» eingereicht, die das Ziel hat, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. Die Rechtskommission des Nationalrates hat nun bis 2019 Zeit, eine Vorlage zur Umsetzung auszuarbeiten. Womöglich wird auch hier das Volk das letzte Wort haben. 2018 tritt eine Gesetzesrevision in Kraft, die die Stiefkindadoption auch Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft und Konkubinatspaaren öffnet. Ein darüberhinausgehendes Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare sieht die Gesetzesänderung jedoch nicht vor. Auch wenn sich die gesetzliche Situation für LGBT-Menschen in der Schweiz zunehmend verbessert, hinkt die Eidgenossenschaft im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien oder den Niederlanden noch weit hinterher.

In der warmen Jahreszeit liegen dank des eigenen Seeanstosses mit Steg diverse Wassersportmöglichkeiten direkt vor der Haustüre. Im gleichnamigen Restaurant, das sich in einer pittoresken Villa befindet, wird eine moderne, leichte Küche zelebriert. Hier lässt sich ein ereignisreicher Tag im Drei-Seen-Land mit kulinarischen Genüssen krönen. Wer eine genussreiche Auszeit vom Alltag sucht, ist in allen drei vorgestellten Häusern, die zum breiten Spektrum von Relais & Châteaux gehören, am richtigen Ort. Diese Vereinigung unabhängiger Hotels hat sich nämlich darauf spezialisiert, das kulinarische Erbe unseres Planeten zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Fotos von Andreas Gurtner

Insidertipps


Dieses traditionsreiche Hotel liegt direkt an der Seepromenade von Vevey, unweit der schmucken Altstadt. Von vielen der luxuriösen Zimmer lässt sich eine eindrückliche Sicht über See und Alpen geniessen. Zum gastronomischen Angebot zählen eine Bar und zwei Restaurants, in denen viel Wert auf regionale Produkte gelegt wird. Weiter stehen den Gästen ein Aussenschwimmbad, ein grosser Garten mit Liegestühlen sowie ein Wellnessbereich mit Sauna und Dampfbad zur Verfügung. Im modernen Spa des Hauses, der von Dr. Pauline Burgener geführt wird, werden verjüngende Behandlungen und entspannende Massagen angeboten – hoteldulac-vevey.ch


Dieses Anwesen bietet drei einzigartige Wohnformen an: Der luxuriöse Glas­diamant­, der auf Stelzen in den Baumkronen schwebt, bietet eine tolle Aussicht über den Murtensee. Im nahen Seehaus, das im maritimen Stil erbaut ist und über eine Sauna sowie einen privaten Garten verfügt, finden bis zu sechs Personen Platz. Im Bahnwärterhaus findet man schliesslich auf zwei Etagen viel Gemütlichkeit – inklusive Kaminofen und Terrasse. Auf Wunsch werden individuelle Massagebehandlungen in der jeweiligen Unterkunft angeboten. Nebst einem reichhaltigen Frühstück kann man sich im gleichnamigen Restaurant auf gastronomische Erlebnisse freuen – vieuxmanoir.ch


Dieses aus drei Gebäuden verschiedener Epochen bestehende Hotel verbindet traditionelle Eleganz mit modernem Flair. Zu den Annehmlichkeiten zählen eine Bar, ein überdachter Freiluftpool, eine Wellnessanlage mit Spa-Cottages sowie ein Park mit Privatstrand. Für das kulinarische Wohl sorgen zwei hervorragende Restaurants: der Park Grill mit 14 Gault-Millau-Punkten sowie La Brasserie mit deren 15. Auf der Weinkarte mit mehr als 2000 Weinen sind auserlesene Tropfen zu finden. Im Rahmen einer Neuausrichtung will sich das Hotel nach einer umbaubedingten Schliessung stärker auf die Gesundheits- und Wellnessklientel fokussieren – parkweggis.ch

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