Missbrauch im Vatikan? Ein Sprecher dementiert

Missbrauch im Vatikan
Der Petersdom im Vatikan bei Nacht (Foto: Pixabay)
Im italienischen Fernsehen sagte ein früherer Ministrant, sein Zimmernachbar im vatikanischen Konvikt sei vor seinen Augen mehrfach sexuell missbraucht worden.

Vatikansprecher Greg Burke hat jüngste Aussagen zu Missbrauchsvorwürfen im Vatikan via Twitter zum Teil dementiert. Es gebe „Falschaussagen über Ministranten im Vatikan”: Tatsächlich habe Papst Franziskus aber kein mutmaßliches Opfer empfangen und auch keinen Zeugen, schrieb Burke am späten Sonntagabend auf Twitter.

Der italienische Autor Gianluigi Nuzzi hatte dagegen zuvor auf Twitter behauptet, dass es ein solches Treffen gegeben habe. Wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet, hatte Nuzzi in einem neuen Buch Berichte über den mutmaßlichen Missbrauch Minderjähriger im Vatikan öffentlich gemacht. Der italienische Sender Italia 1 griff die Vorwürfe am Wochenende auf.


Der mutmaßliche Täter wurde 2017 zum Priester geweiht

In dem TV-Beitrag sagt ein ehemaliger Ministrant, sein Zimmernachbar im vatikanischen „Preseminario San Pio X” sei vor seinen Augen mehrfach von einem Seminaristen sexuell missbraucht worden. Die Ereignisse lägen etwa zehn Jahre zurück. Er habe sie beim geistlichen Leiter angezeigt und sei daraufhin der Bildungseinrichtung für angehende Seminaristen verwiesen worden. Der mutmaßliche Täter sei 2017 zum Priester geweiht worden, obwohl die Vorwürfe gegen ihn bekannt gewesen seien. (Der ehemalige schwule Priester Krzysztof Charamsa sagte im Sommer gegenüber der Mannschaft, ein Kloster in Trento verwende Pseudopsychologie und Pseudowissenschaft, um Homosexuelle zu heilen.)

Das mutmaßliche Opfer bestätigt die Vorwürfe und berichtete von weiteren Fällen. Der mutmaßliche Täter wird vom Reporter vor einer Kirche abgefangen und auf die Vorwürfe angesprochen. Er antwortet: „Ich weiß nichts, tut mir leid.” Der ehemalige Rektor des Seminars, Enrico Radice, spricht im TV-Beitrag von „Falschaussagen”. Er sagt weiter, auch der Papst gehe davon aus, dass es sich um „Verleumdungen” handele.

Missbrauch im Vatikan
Enthüllungsbuch „Sündenfall“

Die Vorwürfe hatte der Autor Nuzzi in seinem neuen Enthüllungsbuch „Peccato originale” (dt. Sündenfall) öffentlich gemacht. Darin zitiert er unter anderem aus Briefen eines Zeugen an kirchliche Verantwortungsträger, in denen er über die Vorwürfe berichtet, sowie aus einigen Antwortschreiben, die er erhielt. Den im Buch abgebildeten Dokumenten nach hat der Zeuge auch an Papst Franziskus geschrieben. Ein Antwortschreiben des Papstes ist nicht abgedruckt.

Das „Preseminario San Pio X” ist ein 1956 gegründetes Konvikt mit Sitz im Vatikan, unweit des Vatikangästehauses Santa Marta. Es nimmt Mittelschüler auf, die Priester werden wollen. Laut eigenen Angaben wurden mehr als 80 Absolventen Priester oder Ordensleute. Eine Besonderheit ist, dass die Schüler als Messdiener im Petersdom eingesetzt werden.

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