Regenbogenhochzeiten im Fernsehen

Bild: ©Fox
Nun dürfen gleichgeschlechtliche Paare auch in Deutschland heiraten – seit dem 1. Oktober gilt die «Ehe für alle». Doch es gibt einen Ort, an dem schon lange vorher munter gleichgeschlechtlich geheiratet wurde – die Traumwelt des Fernsehens. Höchste Zeit und Grund genug also, um einmal auf die schönsten und bahnbrechendsten Regenbogenhochzeiten im TV zurückzublicken.

Die wohl erste schwule Hochzeit in einer amerikanischen Fernsehserie fand 1991 in der hierzulande eher unbekannten Sitcom «Roc» auf dem Sender FOX statt. Dort heiratete der Onkel der Hauptfigur seinen Partner, was der Serie prompt einen GLAAD-Award einbrachte. Gespielt wurde jener Onkel ausgerechnet von Schauspieler Richard Roundtree, der in den Siebzigerjahren als knallharter Detektiv «Shaft» bekannt geworden war. Im Zuge der Eheöffnung in den USA interviewt, zeigte sich Rocky Carroll – einer der Darsteller – noch immer stolz und sagte, es fühle sich auch heute noch gut an, der Zeit so weit voraus gewesen zu sein. Aufgrund niedriger Quoten wurde die Serie jedoch nach nur drei Staffeln eingestellt.

Regenbogenhochzeiten-Friends
More than «Friends»: Über 30 Millionen Zuschauer_innen sehen zu, als Carol ihrer Susan das Jawort gibt. (Bild: ©NBC)

Ein weitaus grösseres Publikum wurde schliesslich Zeuge, als 1996 Ross’ Exfrau Carol in der Sitcom «Friends» ihrer Partnerin das Jawort gab. Da ihre Eltern sich weigerten, der Zeremonie beizuwohnen, führte Ross Carol sogar zum Altar. Über 30 Millionen Zuschauer_innen waren gerührt und die von NBC erwartete Beschwerdewelle blieb glücklicherweise aus. Nur wenige Wochen zuvor hatte in der Serie «Roseanne» ein wiederkehrender Charakter bereits seinen Freund geheiratet. Vier Jahre später wurde schliesslich auch im deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit schwul geheiratet, als in «Gute Zeiten, Schlechte Zeiten» Philip Krüger mit seinem Simon vor den Traualtar trat. Doch der vermeintliche Traummann entpuppte sich leider als gesuchter Mörder mit falscher Identität. Tja, auch im Fernsehen geht bekanntlich nicht immer alles gut aus.

Regenbogenhochzeiten-Simpsons
Als Patty (r.) beschliesst, eine Frau zu heiraten, zeigen sich nicht nur «Die Simpsons» besorgt. (Bild: ©Fox)

Die wohl berühmteste gelbe Familie der Fernsehgeschichte plante 2005 ebenfalls eine gleichgeschlechtliche Hochzeit. Bereits ein Jahr vor Ausstrahlung der entsprechenden «Simpsons»­Episode war bekannt gegeben worden, dass eine der Hauptfiguren nicht nur heiraten, sondern sich auch als homosexuell outen werde. Buchmacher schlossen sogar Wetten ab, um wen es sich handeln könnte. Letztlich kam es so, wie viele es bereits geahnt hatten: Marges Schwester Patty äusserte den Wunsch, eine andere Frau zu ehelichen. Über zehn Millionen Zuschauer_innen sahen die Folge, was sie zur meistgesehenen Folge der gesamten Staffel machte. Erstmals in der Geschichte der Simpsons wurde der Episode allerdings ein Warnhinweis vorangestellt, der besagte, dass im Folgenden das Thema gleichgeschlechtliche Ehe behandelt werden würde. Stimmen aus dem konservativen Lager befürchteten einen negativen Einfluss, den diese erste lesbische Hochzeit in einer Animationsserie auf Kinder haben könnte.

Pattys Hochzeit bei «Die Simpsons» kam mit Warnhinweis.

Seitdem sind zwölf Jahre mit vielen weiteren gleichgeschlechtlichen Fernsehhochzeiten vergangen, was selbst die konservativsten Kritiker weitgehend müde gemacht und langsam verstummen lassen hat. In Erinnerung bleiben etwa die lang ersehnte Hochzeit von Cameron und Mitchell in «Modern Family», oder das Jawort von Callie und Arizona in «Grey’s Anatomy». Denkwürdig waren auch die Eheschliessung von Keith und David in «Six Feet Under» sowie Kevins und Scottys Zeremonie, die Kevins Schwester in «Brothers and Sisters» abhielt. In der finalen Staffel der Musicalserie «Glee»wurde sogar eine schwullesbische Doppelhochzeit gefeiert, als sowohl Santana und Brittany als auch Kurt und Blaine gleichzeitig vor den Traualtar traten. Kurz nach Ausstrahlung dieser Episode wurde in den USA die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. So können wir uns auch künftig auf allerlei queere Traumhochzeiten im Fernsehen freuen, jedoch ohne diese weiterhin komplett im Reich der Träume verorten zu müssen.


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