Schwule Fußballer? „Gott sei Dank nie gesehen!“

Schwule Fußballer
Denis Maslow, Geschätsführer des FC Amkar Perm (Foto: FC Amkar Perm)
Der Geschäftsführer des russischen Erstligisten FC Amkar Perm Denis Maslov hat für schwule Fußballer wenig übrig. Der LGBT Sportverband des Landes fordert nun, seine Äußerungen zu verurteilen.

Im nächsten Jahr findet in Russland die Fußballweltmeisterschaft statt – einem Land, das sich vor vier Jahren ein Gesetz gegen „Homopropaganda“ gegeben hat und wo Homophobie weit verbreitet ist, nicht zuletzt im Fußball. Offen schwule Fußballer sind nicht bekannt.

Den russischen Fußballclub FC Amkar Perm gibt es seit 24 Jahren. Seit 2003 spielt der Verein in der 1. Liga, der höchsten russischen Spielklasse. Dessen Geschäftsführer Denis Maslov äußerte sich kürzlich in einem Interview mit der Sendung Sport-Express ausführlich homophob und diskriminierend.

Auf die Frage, ob es Schwule im russischen Fußball gebe, antwortete Maslow: „Schwule in Russlands Fußball? Gott sei Dank habe ich noch keine gesehen. Hoffentlich werde ich sie nie sehen!“

Die Bibel sagt, dass Gott Adam und Eva erschuf. Er hat nicht Adam und Adam erschaffen.

Um seine Antwort zu untermauern, verglich er einen Kuss zwischen Heteros, deren Beziehung „natürlich gut“ sei, mit dem Ausdruck von Zärtlichkeit in einer homosexuellen Beziehung, etwa beim Händchenhalten – das wiederum ist in seiner Logik natürlich schlecht, „Propaganda“ nämlich. Wenn er Zeuge von homosexuellen Zärtlichkeiten werde, sei ihm das „irgendwie unangenehm“. Denn: „Die Bibel sagt, dass [Gott] Adam und Eva erschuf. Er hat nicht Adam und Adam erschaffen. Und Kinder werden von Mann und Frau geboren“, so Maslow.

Als der Journalist ihn direkt fragte, ob ein schwuler Profi, der das Team stärken könne, von Maslow eingekauft würde, wich der Fußballfunktionär aus. Er müsse sich dazu beraten, denn es gehe nicht nur um spielerische Fähigkeiten, sondern auch um die Integration ins Team, in dem „alle Jungs entweder verheiratet sind oder mit ihren Freundinnen zusammenleben“.

Schwule Fußballer
FIFA gegen Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft – die sexuelle Orientierung fehlt ebenso in der Aufzählung wie die geschlechtliche Identität (Foto: FIFA

Das rief nun den russischen LGBT Sportverband auf den Plan. Der Geschäftsführer des FC Amkar habe nicht nur seine professionellen Pflichten und die seines Clubs gegenüber der russischen Fußballunion vernachlässigt, wo er Spieler vor jeder Form der Diskriminiuerng hätte verteidigen sollen, heißt es in einem offenen Brief. Maslow zeigte auch seine Bereitschaft gezeigt, Spieler zu diskriminieren, indem er seine eigenen Vorurteile über die Ziele des Fußballs stelle, den Zielen des Profifußballs, der Rassismus und Diskrimierung ausschließe.

Das Interview wurde am 25. Oktober veröffentlicht, aber vom russischen Fußballverband gab es keine offizielle Reaktion. Darum fordert der LGBT Sportverband nun von Alexey Gennadievich, dem Beauftragten für den Kampf gegen Rassismus and Diskriminierung im russischen Fußball, die abwertenden Statements öffentlich zu verurteilen, angemessene Maßnahmen gegen Maslow zu ergreifen und darüber zu informieren. Bis Freitag lag dem Verband keine Antwort vor, wie der Vorsitzende Alexander Agapov gegenüber der Mannschaft sagte.

Trat wegen Homophobie im Fussball zurück: Jesús Tomillero, schwuler Schiedsrichter aus Spanien (Bild: Twitter/jesustomille)

Prinzipien des Fairplay oder der Sportlichkeit

Russland ist seit über 100 Jahren MItglieder der FIFA (Weltfußballverband) bzw. UEFA (europäischen Fußballverband). Der Fußballverband hat sich vor wenigen Jahren einen Disziplin-Code verpasst, in dem es unter Punkt 57 heißt:  „Wer auf irgendeine Weise, insbesondere durch beleidigende Gesten oder Äusserungen, eine andere Person in ihrer Ehre verletzt oder wer die Prinzipien des Fairplay oder der Sportlichkeit verletzt, kann mit Sanktionen gemäss Art. 10 ff. belegt werden.“

Der Punkt 58 des FIFA-Disziplinarreglement ist konkreter: „Wer die Menschenwürde einer Person oder einer Gruppe von Personen durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft verletzt, wird für mindestens fünf Spiele gesperrt. Zusätzlich werden ein Stadionverbot und eine Geldstrafe von mindestens CHF 20 000 verhängt. Bei einem Offiziellen, der sich dieses Vergehens schuldig macht, beträgt die Geldstrafe mindestens CHF 30 000.“