Vielfalt im Unterricht: Kampagne fordert verbindliche Verankerung

Vielfalt im Unterricht
Foto: Screenshots/ADS
Eine verbindliche Verankerung des Themas Vielfalt muss angestoßen werden, so die ADS: Sie sollte im Unterricht ein altersgerecht vermitteltes Querschnittsthema vom Deutsch- bis zum Geschichtsunterricht sein.

Im Rahmen ihres Themenjahrs „Gleiches Recht für jede Liebe“ veröffentlicht die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) einen neuen Videospot, um deutlich zu machen: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sollten im Unterricht ein altersgerecht vermitteltes Querschnittsthema sein – von der Deutsch- bis zur Geschichtsstunde.

Das Video, in dem ein Mädchen durch eine Art Märchenwald läuft und an dessen Ende die Erkenntnis steht: ‚Die Vielfalt der Liebe ist eine Tatsache‘, dürfte AfD-Politikern und den Machern der Demo für alle Schnappatmung verursachen, die die Thematisierung von Vielfalt im Unterricht gerne als Frühsexualisierung verunglimpfen.

„Schule ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, teilt die ADS dazu mit. „In der Schule begegnen sich Menschen, die unterschiedlich sind. Sie können sich in ihrer geschlechtlichen Identität, ihrem Alter, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung, ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten sowie in ihrer sexuellen Identität unterscheiden. Diese Menschen haben alle ein gleiches Recht auf Bildung und die freie Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Es sollte deshalb ganz selbstverständlich sein, im Schulunterricht gesellschaftliche Vielfalt in all ihren Facetten zu behandeln.“

Es gibt und gab in einigen Bundesländern Bestrebungen, die Bildungspläne zu überarbeiten und sexuelle sowie geschlechtliche Vielfalt im Unterricht stärker zu berücksichtigen. Das wird auch von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unterstützt: Einer Untersuchung der ADS zufolge sind etwa 90 Prozent der Ansicht, es sollte ein Ziel der Schule sein, den Schüler_innen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen zu vermitteln.

Sexuelle und geschlechtliche Identität frei leben zu können, ist ein Menschenrecht

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes begrüßt die Einführung solcher Bildungspläne als wichtigen Beitrag für die Vermittlung und Akzeptanz von Vielfalt. Sie seien auch ein klares und notwendiges Zeichen gegen Ausgrenzung und Benachteiligung. Denn: „Noch immer sind Wörter wie ’schwul‘ verbreitete Schimpfworte auf dem Schulhof. Ein Coming-out trauen sich zu wenige Jugendliche zu – zwei Drittel verheimlichen ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität.“ Und auch mehr als die Hälfte der Lehrkräfte geht an ihrer Schule nicht offen mit ihrer LGBTI-Identität um, wie eine Umfrage der ADS ergab.

Sie fordert darum: „Zur Förderung der Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Schule sollten qualifizierte Ansprechpersonen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auf verschiedenen Ebenen benannt und verpflichtende Weiterbildungen für Lehrkräfte zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt eingeführt werden. Eine verbindliche Verankerung der Themen muss in schulischen Curricula angestoßen werden. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sollte im Unterricht ein altersgerecht vermitteltes Querschnittsthema vom Deutsch- bis zum Geschichtsunterricht sein. Denn sexuelle und geschlechtliche Identität frei leben zu können, ist ein Menschenrecht.“