Eigenwillig und faszinierend

Das Guggenheim-Museum mit seinen kurvigen Titaniumfassaden zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bilbaos. (Foto: Andreas Gurtner)
Das Baskenland, das an der rauen Biskayaküste liegt und das Grenzgebiet von Spanien und Frankreich umfasst, ist eine der dynamischsten Regionen Europas. Erstaunlich ist, wie offen und der Zukunft zugewandt sich das Baskenland heute zeigt.

Eingerahmt von den Pyrenäen im Süden und dem Atlantik im Norden besticht das Baskenland durch seine äusserst vielfältige Landschaft. Endlos scheinende Sandstrände werden immer wieder von Lagunen und schroffen Steilküsten unterbrochen. Trotz der augenfälligen Idylle ging es hier nicht immer friedlich zu und her. Dies hat vor allem damit zu tun, dass das baskische Volk nie seinen eigenen Nationalstaat hatte. Seit dem 15. Jahrhundert ist das Baskenland in spanische und französische Baskengebiete geteilt. Die Basken erkannten die jeweiligen Könige Spaniens und Frankreichs jedoch nur deshalb an, weil ihnen diese viele Sonderrechte wie den Gebrauch der eigenen Sprache und Steuererleichterungen gewährten.

Gay Life

Während der katholisch geprägten Franco-­Diktatur wurden Schwule und Lesben in Spanien verfolgt und ab 1970 gar in Strafanstalten eingewiesen, in denen sie von der Homosexualität geheilt werden sollten. Erst 2004 wurde die Öffnung der Ehe durch die Sozialisten vorangetrieben. Im Juli 2005 trat schliesslich das entsprechende Gesetz in Kraft, womit Spanien das weltweit dritte Land wurde, das die Ehe für Schwule und Lesben öffnete.

Die autonome Region Baskenland hatte jedoch bereits zuvor gesetzliche Regelungen erlassen, die die Eintragung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ermöglichten. In Frankreich wurde mit dem PACS, dem sogenannten zivilen Solidaritätspakt, 1999 ebenfalls ein Institut der eingetragenen Partnerschaft ins Leben gerufen. Im Jahr 2013 wurde die Ehe dann auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet und gleichzeitig die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare legalisiert. LGBT werden im gesamten Baskenland freundlich empfangen und es existiert insbesondere in den grösseren Städten eine lebhafte Szene mit Bars und Clubs – gehitu.org

Auf einen Blick

Anreise: Die spanische Fluggesellschaft Iberia bietet Flüge ab der Schweiz und Deutschland nach San Sebastian, Bilbao und Biarritz an (ab CHF 195.–/ EUR 150.–).

Beste Reisezeit: Von Juni bis September, doch kann das Wetter ganzjährig unbeständig sein. Deshalb lohnt sich ein Besuch des Baskenlandes durchaus auch in der ruhigeren Nebensaison.

Sprache: Die Amtssprachen im spanischen Teil des Baskenlands sind Spanisch und Euskara. In Frankreich hat auf dem ganzen Staatsgebiet nur Französisch den Status einer Amtssprache.

Einreise: Schweizer und EU-Bürger benötigen eine Identitätskarte oder einen Personalausweis, um in Spanien und Frankreich einreisen zu können.

Sicherheit: Das Baskenland gilt als sicheres Reiseziel.

Weitere Informationen: tourismus.euskadi.eus/de

Mit dem Beginn der Franco-Diktatur in Spanien nahm 1939 die Autonomie plötzlich ein jähes Ende. Die Basken begannen, wichtige Aspekte ihrer Kultur und Identität zu verlieren. Als Folge davon flohen rund 150 000 Basken ins Ausland und formierte sich die Untergrundorganisation ETA, die ab 1959 den Kampf gegen die spanische Diktatur aufnahm. Der bewaffnete Konflikt, der mehr als fünfzig Jahre dauerte und deshalb als Europas längster Krieg bezeichnet wird, ist für den Tod von mehr als 1000 Menschen verantwortlich. Erst im Jahr 2011 gab die ETA die definitive Einstellung ihrer bewaffneten Aktivitäten bekannt. Heute sprechen von den 2,7 Millionen Einwohnern des Baskenlandes nur noch rund 800 000 die baskische Sprache Euskara.

Baskisches Feinschmeckerparadies 
Die Stadt San Sebastián, oder Donostia, wie sie auf Baskisch genannt wird, liegt traumhaft zwischen grünen Hügeln an einer langgezogenen Sandbucht. Dank der geschützten Lage weist die Stadt ein äusserst mildes Klima auf und laden die vom wilden Atlantik abgeschirmten Strände in den Sommermonaten zum erfrischenden Badevergnügen ein. Früher diente die Stadt den spanischen Königen, die der Hitze Madrids entfliehen wollten, lange Zeit als sommerliche Residenz. Um den königlichen Besuchern den Aufenthalt in San Sebastián so angenehm wie möglich zu gestalten, wurden überall in der Stadt prachtvolle Alleen und Paläste errichtet. Diese prägen das Stadtbild bis heute.

In den engen Altstadtgassen von San Sebastián findet man einige der besten Restaurants und Pintxos-Lokale der Stadt. (Foto: Andreas Gurtner)

Die wohl schönste Aussicht über San Sebastián erhält man, wenn man per Standseilbahn oder mit dem Mietwagen auf den Monte Igueldo am Ende der Bucht hochfährt. Oben angekommen lässt sich von diesem rund 400 Meter hohen Hügel eine spektakuläre Aussicht über das Meer, die Stadt und das Hinterland geniessen. Seit 1910 befindet sich auf dem Monte Igueldo auch ein Vergnügungspark, der sich in den letzten 100 Jahren nicht gross verändert zu haben scheint. Es fühlt sich deshalb wie eine kleine Zeitreise an, wenn man an den verschiedenen antiken Ständen und Bahnen vorbeischlendert und dazwischen immer wieder einen Blick auf das atemberaubende Stadtpanorama im Hintergrund erhaschen kann. Viele Besucher kommen vor allem wegen der Gaumenfreuden nach San Sebastián, zählt die Stadt doch zu den gastronomischen Hotspots dieser Welt.

Die Aussicht vom Monte Igueldo über San Sebastián, das Meer und das Hinterland ist schlichtweg spektakulär. (Foto: Andreas Gurtner)

Nirgendwo sonst gibt es – gemessen an der Einwohnerzahl – eine Stadt mit höherer Dichte an Sterne-Restaurants. Wer sich also im Urlaub gerne kulinarisch verwöhnen lässt, ist hier genau richtig. In San Sebastián gehört aber auf jeden Fall auch eine «Pintxo»-Tour durch die engen Altstadtgassen zum Pflichtprogramm, denn bei den kleinen Leckereien handelt es sich quasi um Haute Cuisine im Miniaturformat. Deshalb gelten «Pintxos» auch als eine Art veredelte Tapa-­Version. Crevettenspiesse, getrüffelte Wachtelbrüstchen oder mit Pilzen gefüllte Tintenfische sorgen denn auch in fast jeder Altstadtbar für volle Theken.

Ein Paradies für Surfer
Fünfzig Kilometer östlich von San Sebastián erreicht man den mondänen Badeort Biarritz im französischen Teil des Baskenlandes. Hier baute einst Kaiser Napoleon für seine Gattin eine Residenz, was den Ort schnell bei weiteren Königshäusern in Europa bekannt machte und dazu beitrug, dass sich das ehemals arme Fischerdorf mit der Zeit zu einem exklusiven Seebad für die Schönen und Reichen entwickelte. Die wunderschönen Strände mit ihren grandiosen Wellen zählen bis heute zu den grössten Anziehungspunkten der Stadt. Jährlich reisen Surfer aus aller Welt an, um sich hier ein Stelldichein zu geben und auf ihren Brettern geduldig auf die perfekte Welle zu warten.

Erholung pur: Biarritz ist für seine goldgelben Strände bekannt, die teilweise von eindrücklichen Klippen umgeben sind. (Foto: Andreas Gurtner)

Für Nichtsurfer gibt es entlang der Strände viele fantastische Orte zu entdecken. Am nördlichen Ende der Stadt bietet sich vom Leuchtturm «Phare de la pointe Saint-Martin» ein toller Blick auf Stadt, Klippen und Hinterland. Der 1834 fertiggestellte Turm ist 73 Meter hoch und bis heute funktionsfähig. Einen Lift sucht man hingegen vergebens, weshalb man insgesamt 248 Stufen hinaufsteigen muss, um zum Leuchtfeuer zu gelangen. Gleich hinter der Grande Plage, dem goldgelben Hauptstrand von Biarritz, lockt die Innenstadt mit hübschen Boutiquen, Feinkostläden sowie gemütlichen Bars und Restaurants. Wer sein Glück herausfordern möchte, sollte dem altehrwürdigen städtischen Casino einen Besuch abstatten. Dieses wurde im Art-déco-Stil erbaut und befindet sich direkt an der lebhaften Strandpromenade.

Die Grande Plage von Biarritz ist bei Surfer_innen, Badegästen und Strandspaziergänger_innen gleichermassen beliebt. (Foto: Andreas Gurtner)

Weiter im Süden erreicht man nach einem längeren Fussmarsch den «Rocher de la Vierge», den sogenannten Jungfrauenfelsen. Das kleine Inselchen, auf dem eine weisse Marienstatue thront, ist über eine bald 150 Jahre alte Eisenbrücke mit dem Festland verbunden. Die Statue wurde ursprünglich erbaut, um den örtlichen Fischern eine sichere Rückkehr zu wünschen. Heute zählt sie hingegen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Innovative Kulturmetropole
Ganz im Westen des Baskenlandes liegt die Stadt Bilbao, die wohl kaum zu den typischen spanischen Reisezielen gehört – prachtvolle Kirchen und historische Baudenkmäler sucht man hier nämlich vergeblich. Dafür begrüsst einen der Ort mit dem Charme einer geschäftigen Industriestadt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Bilbao zu einem der Zentren der spanischen Eisenindustrie, was dieser Region schnell viel Wohlstand brachte. Erst ab den Siebzigerjahren begann der wirtschaftliche Niedergang, der jedoch zugleich auch dafür sorgte, dass sich die Stadt neu definieren musste. Bilbao hat sich im Rahmen des Neuorientierungsprozesses entschieden, zu einem Labor der modernen Architektur zu werden.

Das Rathaus von Bilbao wurde 1892 eröffnet und liegt direkt am Fluss Nervión. (Foto: Andreas Gurtner)

Wer heute durch die Stadt schlendert, begegnet vielen originellen Gebäuden, die von den bekanntesten Architekten der Welt entworfen wurden. Besonders lohnenswert ist es, sich den neu geschaffenen Bereich entlang des Flussufers etwas genauer anzuschauen. Hier stehen grossartige Bauten, die aus ungewöhnlichen Materialien bestehen – beispielsweise der metallische Euskalduna-Palast oder das Guggenheim-Museum, das mit seinen kurvigen Titaniumfassaden heute das Wahrzeichen der Stadt darstellt. Der spektakuläre Museumsbau, in dem moderne und zeitgenössische Kunst gezeigt wird, wurde vom amerikanischen Architekten Frank O. Gehry geschaffen. Das Gebäude gilt als eines der weltweit bedeutendsten Werke avantgardistischer Architektur des 20. Jahrhunderts.

Die faszinierende Schwebefläche Puente de Vizcaya in Bilbao gehört seit 2006 zum Weltkulturerbe. (Foto: Andreas Gurtner)

Eine weitere Attraktion Bilbaos ist die Schwebefähre Puente de Vizcaya, welche die beiden Uferseiten des Flusses Nervión miteinander verbindet. Sie wurde 1893 eingeweiht und ist somit die älteste Schwebefähre der Welt. Im Fährhaus dieser tollkühnen Konstruktion können nicht nur Personen, sondern auch bis zu sechs Autos gleichzeitig transportiert werden. Fussgänger können alternativ mit einem Aufzug zum 45 Meter hohen Traggerüst hochfahren und dann über eine Brücke in luftiger Höhe zur anderen Uferseite schreiten. Die Aussicht, die sich von dort oben über die gesamte Umgebung ergibt, ist beeindruckend. Ein weiteres einzigartiges Baudenkmal ist die Markthalle des Mercado de la Ribera. Sie gilt als grösste überdachte Markthalle Europas und wurde 1929 dort errichtet, wo sich früher der offene Marktplatz der Stadt befand. Über zwei Etagen werden hier ganztägig jede Menge baskischer Spezialitäten angeboten. Zudem findet man auf dem Markt einige Pintxo-Bars, die auf ein leckeres Häppchen sowie ein Glas Wein einladen.

Insidertipps

Dieses Hotel liegt erhöht an einem der schönsten Strandabschnitte von Biarritz und ist bekannt für seinen erstklassigen Service. Viele der komfortabel ausgestatteten Zimmer bieten eine traumhafte Aussicht über den Ozean. Zum umfangreichen Angebot des Hotels zählen ein geheizter Aussen- und ein Innenpool, eine Sauna, ein Fitnessraum sowie ein Thalassotherapiezentrum. Für das kulinarische Wohl sorgen gleich zwei Restaurants, die sich auf die gesunde lokale Küche spezialisiert haben. In der gemütlichen Piano­bar kann man den Tag ausklingen lassen. Das Stadtzentrum mit seinen Restaurants und Bars ist gut zu Fuss erreichbar – sofitel.com


Das stylische Boutiquehotel befindet sich direkt zwischen Bilbaos bekanntem Guggen­heim-Museum und dem Kunstmuseum. Die fünfzig Zimmer sind im minimalistischen Stil eingerichtet und verfügen über eine luxuriöse Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt. Gäste des Hotels können sich auf einen Wellnessbereich mit Hydromassage und Dampfbad freuen. Ein Massagebereich und ein gut ausgestatteter Fitnessraum sind ebenfalls vorhanden. In der Umgebung des Hotels befinden sich zahlreiche traditionelle baskische Restaurants. Die meisten touristischen Sehenswürdigkeiten der Stadt sind von hier aus schnell zu erreichen – mirohotelbilbao.com


Das gemütliche Pintxos-Lokal liegt mitten in der schmucken Altstadt direkt gegenüber der Basilika Santa María del Coro. In diesem familiengeführten Restaurant wird traditionelle baskische Küche bis zur Perfektion zubereitet. Besonders eindrücklich ist die Auswahl an leckeren Pintxos, von denen hier täglich mindestens fünfzig verschiedene Variationen angeboten werden. In der Vergangenheit ist das Casa Vergara bereits mehrfach für seine köstlichen Häppchen ausgezeichnet worden. Ebenfalls sehen lassen kann sich die grosse Vielfalt an exzellenten Weinen, darunter 50 offene sowie 300 nationale und internationale Flaschenweine – restaurantecasavergara.com