CDU-Homos verteidigen LGBTI-Broschüre für Kitas gegen CDU-Rechte

LGBTI-Broschüre für Kitas
Berliner Senat verteilt LGBTI-Broschüre für Kitas
Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) halten die angebliche "Sex-Broschüre" für pädagogisch wertvoll und sehen keine Gefahr einer "Frühsexualisierung" von Kindern.

Die 140-seitige LGBTI-Broschüre für Kitas mit dem Titel „Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben“ wurde von der Bildungsinitiative „Queerformat“ und dem sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg herausgegeben und vom Berliner Senat finanziert. Sie richtet sich an die Fachkräfte in den Kitas und widmet sich sexueller und gleichgeschlechtlicher Vielfalt als Thema frühkindlicher Inklusionspädagogik.

Sie entstand im Zuge der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“, die sich vor allem gegen Homophobie richtet. Zu Erinnerung: Immer wieder werden Schwule in Berlin beleidigt, bepöbelt und geschlagen. Von Menschen, für die es offenbar immer noch eine Sensation ist, dass es schwule Paare gibt, die es auch noch wagen, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Es ist eine gute Idee, dafür zu sorgen, dass sich Menschen frühzeitig daran gewöhnen, dass es mehr gibt als nur Heterosexualität. Das wirkt sich später förderlich auf ihren Blutdruck aus und schwulen Menschen erspart es blaue Augen und herausgeschlagenene Schneidezähne.

AfD arbeitet mit Falschaussagen

Viele wollen nun genau diese Broschüre partout falsch verstehen. Die AfD natürlich, die sie stoppen will. Deren bildungspolitischer Sprecher Franz Kerker kritisierte: „Die Thematisierung von Sexualität in der Kita entspricht einem fragwürdigen Trend zur Hypersexualisierung und schadet nachweislich der Kindesentwicklung.“ Nachweislich, schreibt Kerker tatsächlich. Ohne jedoch Nachweise zu bringen. Es gibt sie nämlich nicht. Abgesehen davon: Die Broschüre richtet sich an die Betreuer; nicht die Kinder sind es, die sie lesen werden. Fast amüsant die Vorstellung, dass sich 5-Jährige der Lektüre eines 140-seitigen Textes widmen, der nur etwa alle zehn Seiten mal mit einem Foto aufwartet.

Die Berliner CDU will nun mit der AfD gemeinsame Sache machen und erzwingen, dass die Nutzung der Broschüre gestoppt wird. Fraktionschef Florian Graf erklärte: „Die dort betreuten Kleinstkinder sollen Kind sein dürfen, ohne in jüngsten Jahren mit Fragestellungen zur sexuellen Identität konfrontiert zu werden.“

LGBTI-Broschüre für Kitas: empfehlenswert!

Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) sehen das anders, wie sie am Wochenende via Facebook kundtaten. Sie halten den Text für pädagogisch wertvoll und sehen keine Gefahr einer „Frühsexualisierung“ von Kindern.

Ein Grund für die Aufregung ist der zugegeben unglückliche Begriff der „sexuellen Vielfalt“. Der Berliner Senat hat ihn nicht erfunden. Kinder wie Murat, Alex oder Ben, der vorher Sophie hieß, haben ihn nicht erfunden. Wer sexuelle Vielfalt thematisiert, befasst sich nicht mit halsbrecherischen Stellungen oder lustvollen Positionen, die zwei oder mehrere Personen beim Geschlechtsverkehr einnehmen. Vielmehr bezeichnet der Begriff die menschliche Vielfalt. Es geht um Liebe. Neigungen. Gefühle. Es geht nicht um Sex. Darum ist die „Murat spielt Prinzessin“-Broschüre auch keine Sex-Broschüre. Eigentlich ganz einfach.

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