China – Das facettenreiche Land der Mitte

Die Terrakotta-Armee zählt zu den bedeutendsten archäologischen Funden des zwanzigsten Jahrhunderts. (Foto: Andreas Gurtner)
China bietet fast alles, was das Reiseherz begehrt: Alte Kleinstädte, hektische Metropolen, dampfende Dschungelwälder und faszinierende Klosteranlagen. Aussert Peking und Shanghai mit ihrer lebhaften Gayszene findet das schwule Leben in den meisten chinesischen Städten hinter verschlossenen Türen statt.

Die Geschichte der chinesischen Kultur reicht mehr als 4000 Jahre zurück und ist geprägt von Kriegen, Verwüstung, wechselnden Grenzverläufen und Fremdbestimmung. Bis ins 18. Jahrhundert ein abgeschottetes Kaiserreich unter der Herrschaft verschiedener Dynastien, erzwingen die Briten 1842 nach dem Opiumkrieg die Öffnung des Landes. Um 1900 ist China nach weiteren Kriegen geschwächt und an den Küsten zur Kolonie westlicher Staaten geworden. Erst mit der chinesischen Revolution und der Ausrufung der Republik endet 1911 die koloniale Phase – mit den Ausnahmen Hongkong und Macau. Nach unruhigen Jahren wird ab 1953 unter der Führung von Mao Zedong mit der Verstaatlichung von Unternehmen sowie von Grund und Boden begonnen. Das Ziel ist die Errichtung eines sozialistischen Systems. Erst mit dem Tod Maos setzen erste Modernisierungsmassnahmen ein und entwickelt sich China schrittweise zu einer ernstzunehmenden Weltmacht.  

Das Tor zu Tibet
China ist als Reiseziel in Europa noch nahezu unbekannt. Einen besonders guten Einblick ins Reich der Mitte erhält man, wenn man dem historischen Kernland im Landesinneren einen Besuch abstattet. Weit entfernt von den Megastädten entlang der Küsten, darf ein Besuch der südwestlichen Provinz Yunnan keinesfalls fehlen. Eine der faszinierendsten Orte ist hier die historische Stadt Lijiang. Diese liegt in einer weiten Talebene am Fusse des schneebedeckten Jadedrachen-Berges.

Gay Life

Im alten China war gleichgeschlechtliche Liebe weit verbreitet und überwiegend akzeptiert. Es wird angenommen, dass die Öffnung zum Westen mit der Übernahme homophober Ideologien und Gesetze dazu geführt hat, dass sich die Haltung gegenüber Homosexuellen zunehmend verschlechtert hat. Tatsache ist, dass LGBT-Menschen in China bis heute gesellschaftlich diskriminiert und oftmals von ihren Familien in Umerziehungstherapien geschickt werden. Seit dem Beginn des Reformprozesses Ende der Siebzigerjahre hat sich die gesetzliche Situation für Schwule und Lesben in China grundlegend verbessert.

So ist gleichgeschlechtlicher Sex seit 1997 legal, 2001 strich man Homosexualität von der Liste der Geisteskrankheiten. Dass gemäss aktuellen Statistiken dennoch über 95 % aller Schwulen und Lesben nicht öffentlich zu ihrer Sexualität stehen und viele davon in einer heterosexuellen Ehe leben, zeigt aber eindrücklich, dass die gesellschaftliche Stigmatisierung noch lange nicht überwunden ist. In diesem Jahr hat die chinesische Regierung zudem neue Gesetze eingeführt, die die Verbreitung von LGBT-Inhalten im Internet und in sozialen Netzwerken verbieten. Mit der Ausnahme von Peking und Shanghai, wo sich eine lebhafte Gayszene mit Bars und Clubs entwickelt hat, findet das schwule Leben in den meisten chinesischen Städten mehrheitlich hinter verschlossenen Türen statt.

Vor rund 800 Jahren gegründet, fühlt man sich in dieser zum Weltkulturerbe gehörenden Stadt wie in einer anderen Epoche. Vom zentralen Sifang-Platz aus – dem früheren Umschlagplatz der Karawanen – verläuft die zauberhafte Stadt in alle Richtungen durch ein Labyrinth von Strassen, Alleen und Flüsschen. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, sich durch das Gassenwirrwarr mit seinen Geschäften und Läden treiben zu lassen. Zudem ermöglichen unzählige Imbissstände ungewohnte kulinarische Entdeckungen. 

Verlässt man die Gegend um Lijiang in nördlicher Richtung, erreicht man die sogenannte Tigersprung-Schlucht. Dieser rund 15 Kilometer lange Canyon ist durch Wanderwege gut erschlossen und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke. Auf der weiteren Fahrt windet sich die Strasse über Bergpässe und durch bewaldete Täler. Nach rund zwei Stunden erreicht man die Stadt Shangri-La im chinesischen Hochland, die auf dem Weg nach Tibet liegt.

Auf einen Blick

Anreise: Cathay Pacific Airways fliegt via Hongkong mehr als zwanzig Destinationen in China an und ermöglicht so ganz individuelle Reisekombinationen – cathaypacific.com

Beste Reisezeit: In den Sommermonaten von April bis Oktober. 

Sprache: Amtssprache ist das Hochchinesisch (Putonghua). Englisch freut sich einer wachsenden Beliebtheit und erleichtert oftmals die Verständigung mit der Bevölkerung. 

Einreise: Um in China einreisen zu können, benötigen Bürger der Schweiz und EU einen gültigen Reisepass sowie ein Visum, das vor der Reise beantragt werden muss.

Sicherheit: China gilt als sicheres Reiseziel. Wer nach Tibet reisen will, benötigt eine spezielle Bewilligung.

Weitere Informationen: china-tourism.de

In den engen Gassen des auf rund 3200 Meter über Meer liegenden Ortes sind noch viele typische Holzhäuser erhalten. Diese erstrecken sich rund um den farbenfrohen Guishan-Tempel, neben dem sich die mit 21 Metern Höhe weltweit grösste Gebetsmühle der Welt befindet. Sie wird von Betenden den ganzen Tag in Bewegung gehalten. Wer noch mehr tibetische Atmosphäre erleben möchte, begibt sich zum über 300 Jahre alten Kloster Songzanlin. Die prachtvolle Anlage, die auf einem Hügel thront, ist das Zuhause von rund 300 Mönchen. Vom Haupteingang führen 146 Stufen zur Hauptgebetshalle hinauf. Aufgrund der dünnen Luft ist das Erklimmen der Treppe eine ziemlich atemberaubende Angelegenheit. 

Panda-Hauptstadt
Von Shangri-La aus erreicht man per Direktflug die moderne Metropole Chengdu in der Provinz Sichuan. Sie gilt trotz ihrer Grösse mit mehr als 14 Millionen Einwohnern als lebenswerteste Stadt Westchinas. Entlang des Flusses Jin Jiang, der mitten durch die Stadt fliesst, sorgen weitläufige Parkanlagen für Ruhe und Erholung. Direkt daneben befindet sich der historische Distrikt der Stadt entlang der Jinli-­Strasse, wo es unzählige Restaurants und Shops gibt. Der Tianfu-Platz auf der anderen Flussseite bildet das moderne Stadtzentrum. Er ist im kommunistischen Stil gehalten und bei einem Stadtrundgang an der riesigen Mao-Statue in seiner Mitte zu erkennen. Chengdu ist auch die Heimat des Pandabären. Nördlich der Stadt erreicht man das weltgrösste Pandaforschungszentrum, das sich für den Schutz dieser bedrohten Tierart einsetzt. Als Besucher kann man gemütlich durch das riesige Gelände schlendern und niedliche Pandabären in den weitläufigen Gehegen erspähen. 

Das Pandaforschungszentrum von Chengdu setzt sich für den Schutz dieser bedrohten Tiere ein. (Foto: Andreas Gurtner)

Rund 130 Kilometer weiter südlich befindet sich die Stadt Leshan. Dank eines modernen Hochgeschwindigkeitszugs dauert die Reise dorthin nur rund 45 Minuten. Leshan ist für seine riesigen Buddhastatuen bekannt, die etwas ausserhalb der Stadt erbaut wurden. Die weltweit grösste Buddhafigur ist 71 Meter hoch und wurde direkt am Zusammenfluss dreier Flüsse in dem Felsen geschlagen. Insgesamt dauerte es mehr als 90 Jahre, bis dieses einmalige Bauwerk im Jahr 803 vollendet werden konnte. In der weitläufigen Parklandschaft warten viele weitere Buddhas darauf, entdeckt zu werden – einige davon in tiefen Höhlen, in denen ganzjährig angenehm kühle Temperaturen herrschen.  

Im Namen des Kaisers
Die Stadt Xi’an in der Provinz Shaanxi gehört zu den bekanntesten Städten Chinas. Sie war im Verlauf der Geschichte immer wieder die Hauptstadt des chinesischen Kaiserreiches und verfügt bis heute über eine intakte Stadtmauer. Diese erstreckt sich rund zwölf Kilometer um das Stadtzentrum und wurde im 14. Jahrhundert während der Ming-Dynastie errichtet. Heute lässt sich die Mauer zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkunden. Wer auf der Suche nach einer aussergewöhnlichen Stadtrundfahrt ist, sollte es nicht versäumen, ein Mountainbike zu mieten und damit einmal rund um den historischen Stadtkern zu radeln.

Zum Pflichtprogramm jedes Xi’an-Besuches gehört auch ein Abstecher zur Terrakotta-Armee, die rund 30 Kilometer vom Stadtzentrun entfernt ist. 1974 zufällig von Landarbeitern entdeckt, zählt diese Grabstätte zu den bedeutendsten archäologischen Funden des zwanzigsten Jahrhunderts. Bereits im Alter von dreizehn Jahren liess Kaiser Qin Shi Huang kurz nach seiner Thronbesteigung mit dem Bau seiner Grab­stätte beginnen. Während der 36 Jahre dauernden Arbeiten waren bis zu 700 000 Arbeiter gleichzeitig damit beschäftigt, nicht nur seine Grabkammer, sondern auch Hunderte von detailgetreuen Modellen seiner Soldaten aus Terrakotta zu errichten. Damit das Mausoleum nach dem frühen Tod des Kaisers im Jahr 210 vor Christus auch ein Geheimnis blieb, wurden gemäss Historikern alle Sklaven und Arbeiter nach vollbrachtem Werk hingerichtet . 

Zeitreise auf Chinesisch
Von Xi’an aus gelangt man per Hochgeschwindigkeitszug zu einem weiteren Highlight in China: Die im 14. Jahrhundert errichtete Stadt Pingyao. Sie bietet einen Blick in eine längst vergangene Zeit, denn die kleine Handelsstadt sieht heute noch fast so aus wie vor vielen hundert Jahren. Umgeben von einer hohen und mehr als sechs Kilometer langen Stadtmauer findet man im Zentrum unzählige ein- und zweistöckige Ziegelhäuser mit buntglasierten Dächern.

Wie eine Filmkulisse: In der schmucken Handelsstadt Pingyao fühlt man sich wie in längst vergangenen Zeiten. (Foto: Andreas Gurtner)

In den engen Gassen pulsiert das Leben vor allem in den Abendstunden, wenn sich die unzähligen Restaurants und Bars füllen. Die Stadt verdankt ihren Aufstieg dem Bankwesen, denn hier wurde die erste Bank in China gegründet und das erste Papiergeld hergestellt. Wer Pingyao besucht, darf es keinesfalls versäumen, einen Tagesausflug in die nahen Mian-­Shan-Berge zu unternehmen. Ein tiefer Canyon mit spektakulären Tempeln bildet hier eine bezaubernde Naturkulisse mit kultureller Bedeutung. Per Bus gelangt man über eine kurvenreiche Strasse bis zu den steilen Klippen, in die nicht nur exquisite Tempel, sondern auch spektakuläre Brücken und Treppen hineingebaut wurden.

Das längste Bauwerk der Welt
Peking ist das politische und kulturelle Zentrum des Landes. Ein Sinnbild dafür ist der riesige Tiananmen-Platz, der für Paraden oder öffentliche Feiern etwa eine Million Menschen aufnehmen kann. An diesem Platz liegen das Nationalmuseum, das Mausoleum von Mao, die Grosse Halle des Volkes sowie der Zugang zur verbotenen Stadt. Letztere wurde im 14. Jahrhundert als göttlicher Ort für den Kaiser erbaut und gehört heute zum Kulturerbe der Menschheit. Im Südosten der Stadt bildet der Himmelstempel das Symbol für die Beziehung zwischen Erde und Himmel. Das eindrucksvolle kreisrunde Bauwerk gehört zu den bekanntesten Monumenten Pekings.

Die verbotene Stadt in Peking gilt als bestes Beispiel der traditionellen chinesischen Architektur. (Foto: Andreas Gurtner)

Nördlich der Hauptstadt befindet sich die längste Touristenattraktion der Welt: die Chinesische Mauer. Dieser steinerne Gigant windet sich über mehr als 21 000 Kilometer über das raue Land und die steilen Berge Nordchinas. Diejenigen Abschnitte, die von Peking aus am schnellsten zu erreichen sind, präsentieren sich oftmals überlaufen. Es lohnt sich daher, einen etwas längeren Anfahrtsweg auf sich zu nehmen, um das Erlebnis mit möglichst wenig anderen Menschen teilen zu müssen. Besonders eindrücklich ist die mehrstündige Wanderung von Jinshanling nach Simatai. Nach einem gemächlichen Auftakt auf einem wiederhergestellten Abschnitt zeigt sich die Mauer über weite Strecken in ihrem ursprünglichen Zustand.  

Insidertipps

Diese idyllische Villenanlage liegt nördlich der Stadt Lijiang beim historischen Dorf Shuhe. Die freistehenden Villen weisen Akzente der modernen und traditionellen chinesischen Architektur auf. Jede Einheit hat ein, zwei oder drei Schlafzimmer und bietet jeden erdenklichen Luxus sowie viel Privatsphäre. Besonders schön sind die Deluxe-­Villen, die über ein beheiztes Aussenbecken verfügen. Zu den Annehmlichkeiten des Resorts zählen ein Spa, ein Fitnesscenter, eine Bar und zwei Restaurants, die sich auf chinesische und internationale Gerichte spezialisiert haben. Den Flughafen der Stadt erreicht man in rund 30 Minuten – pullmanhotels.com/Lijiang

Dieses sympathische Hotel liegt zentral an einer der Haupteinkaufsstrassen im historischen Zentrum von Pingyao. Alle Sehenswürdigkeiten der Stadt sind deshalb gut zu Fuss erreichbar. Die komfortablen Zimmer gruppieren sich um einen ruhigen, gedeckten Innenhof, der zum Entspannen einlädt. Morgens wird wahlweise ein chinesisches oder westliches Frühstück serviert. Zu den weiteren Annehmlichkeiten zählen Klimaanlage, Kühlschrank sowie kostenloses WiFi. Das Hotelpersonal spricht Englisch und bietet bei der Organisation von Ausflügen gerne Unterstützung. Von und zum Bahnhof von Pingyao wird ein kostenloser Transfer angeboten – xietongqinghotel.com

Mitten im Stadtzentrum von Xi’an liegt dieses ikonische Gebäude, das 1953 als staatliches Gästehaus der kommunistischen Partei eröffnet wurde. Nach umfangreichen Renovationsarbeiten erstrahlt der Prachtbau, der sich in einem weitläufigen Park befindet, nun in neuem Glanz. Entsprechend luxuriös sind die 71 Zimmer und Suiten gestaltet, die alle über einen personalisierten Butlerservice verfügen. Für die kulinarische Versorgung der Gäste sorgen das italienische Restaurant Dolce Vita sowie eine elegante Bar. Ein Indoor-Pool, ein Fitnessraum und eine Sauna runden das umfangreiche Angebot des Hauses ab – sofitel.com