Analmuskel 2.0: Regli lässt nicht locker

Der ehemalige Zürcher SVP-Gemeinderat Daniel Regli will es noch einmal wissen. In einem offenen Brief an den Gemeinderat Alan Sangines beharrt er darauf, dass ein überstrapazierter Analmuskel der Grund für die hohe Suizidrate bei schwulen Männern sei.

Mit fragwürdigen Aussagen über den Analmuskel und die Suizidrate von Schwulen sorgte der ehemalige Zürcher SVP-Gemeinderat Daniel Regli im Dezember 2017 für Kopfschütteln – und zwar von links bis rechts. «Weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht», würden sich schwule Männer zwischen 30 und 40 Jahren das Leben nehmen. Die SVP distanzierte sich von Reglis Aussagen, die JUSO forderte seinen Rücktritt.

Regli beruft sich auf nicht vorhandene «Fakten»
Regli trat zur Gemeinderatswahl 2018 im März nicht mehr an, am 18. April war seine letzte Ratssitzung als Zürcher Gemeinderat. Diese Entscheidung sei schon im Sommer 2017 gefallen, so Regli gemäss mehreren Medien.
Der Analmuskel scheint den SVP-Mann aber auch nach seinem Rücktritt zu beschäftigen. In einem offenen Brief wendete er sich am 28. April 2018 an den offen schwulen SP-Gemeinderat Alan David Sangines, an die Fachstelle «Frust und Lust» und an die Schweizer Medien. Er sei nicht bereit, sich für seine Aussagen zu entschuldigen, so Regli. «Ich wäre schön blöd, würde ich so brisante Fakten öffentlich verkünden, wenn ich dafür keine Quellen hätte», schrieb er. Bei seinem Votum habe er sich auf die Aussagen eines Arztes und eines «ehemaligen Homosexuellen» gestützt. Nebst mehreren Links zum Thema Analverkehr legte er dem offenen Brief zwei Studien bei – eine über Analverkehr bei hetero- und homosexuellen Männern und Frauen und eine über die erhöhte Suizidrate bei Homosexuellen –, die aber keinen Zusammenhang herstellen und somit auch seine Aussage nicht belegen können.
Alan Sangines kontert in einem eigenen offenen Brief und erklärt Regli die von ihm zitierten Studienergebnisse. Diskriminierung und Homophobie seien die Ursache für die erhöhte Suizidgefahr bei homosexuellen Männern. «Hättest du etwas mehr als den Titel der Studie gelesen, würdest du wissen, dass die Autoren schulische Aufklärung als Prävention gegen Suizidalität empfehlen», schreibt Sangines.
Trotz der Lächerlichkeit der Debatte dürfe nicht vergessen werden, dass die Suizidalität ein ernstzunehmendes Problem sei und auf den Selbsthass vieler LGBTIQ-Personen zurückzuführen sei. «Internalisierte Homophobie geschieht beispielsweise, wenn ein Kind dauernd gesagt bekommt, dass Homosexualität falsch und schlecht sei. So wie du es dauernd predigst», so Sangines. «Umso wichtiger ist es, dass es Fachstellen wie die von dir so gehasste Fachstelle Lust und Frust gibt, welche schädigenden Predigten wie deinen entgegenwirken.»

Alan David Sangines geht in einem offenen Brief auf Daniel Reglis Aussagen ein. (Bild: zvg)

Sangines: «Homosexualität kommt überall vor»
Homosexualität sei eine psychische Störung und werde seit Jahrtausenden von einer Mehrheit der Kulturen so verstanden, sagte Regli an seiner letzten Ratssitzung am 18. April. «Bullshit», schreibt Sangines in seinem offenen Brief: «Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass Homosexualität schon immer und überall in der Welt vorkam, akzeptiert und gelebt wurde.» Sangines verweist auf die Antike, das alte China und auf Stämme in Zimbabwe. Überall sei Homosexualität vorgekommen. Erst im Rahmen der Religion und der Kolonialisierung habe man homosexuelles Verhalten verboten und unter Strafe gestellt.
Gegenüber der Mannschaft sagt Sangines, dass er sich Reglis «Faszination» mit dem Thema nicht erklären könne. Ebenfalls nicht verstehen könne er, weshalb dieser ihm nach seinem Rücktritt «einen offenen Brief mit mehreren Links zum Thema Analsex» geschickt habe. Im offenen Brief legt er Regli nahe, sich zu informieren und nötigenfalls auch beraten zu lassen: «Ich weiss, du hasst Beratungsstellen, aber vielleicht wäre es tatsächlich gut, wenn du dir vielleicht das Angebot der einen oder anderen Beratungsstelle näher anschauen würdest.»