Ein Label für mehr Inklusion am Arbeitsplatz

Wer am Arbeitsplatz sich selbst sein kann, fühlt sich wohler und arbeitet produktiver. (Bild: iStock)
Das neue «Swiss LGBTI-Label» ermöglicht Firmen und Organisationen, sich im Umgang mit LGBTIQ-Mitarbeitenden auszeichnen zu lassen. Die Initianten – die Vereine Network und WyberNet – stellen das Label am 13. Juni der Community in Zürich vor.

Nach mehreren Jahren der Planung ist das «Swiss LGBTI-Label» startklar. Anhand eines Fragebogens, der ausgefüllt und mit Nachweisdokumenten eingereicht werden muss, können sich Firmen und Organisationen für ihren offenen und inklusiven Umgang mit LGBTIQ-­Personen am Arbeitsplatz auszeichnen lassen. Dadurch erhalten gegenwärtige und potenzielle Mitarbeitende die Gewissheit, dass sie sich um die Akzeptanz ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität keine Sorgen machen müssen. Sie müssen nichts verstecken und können sich ganz ihrer Arbeit widmen.

Hinter dem Projekt stehen die Businessnetzwerke Network und WyberNet, die das Label mit Unterstützung der Dachverbände Pink Cross, LOS, TGNS und Regenbogenfamilien und im Austausch mit interessierten Firmen entwickelten. Orientiert haben sie sich an ähnlichen Auszeichnungen im Ausland, darunter etwa am Label «Stonewall» in Grossbritannien oder «PRIDE175» in Deutschland. Am 13. Juni um 19 Uhr stellen die Vereine das Swiss LGBTI-Label der Community im Volkshaus Zürich vor. Dabei besteht für Interessierte die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Mit dem Label soll sich ein Unternehmen gegen aussen als LGBTIQ-freundlich positionieren können.

Indirekte Vorteile für Firmen und Organisationen
Obwohl Freizeitaktivitäten nicht viel mit dem Arbeitsalltag zu tun haben, werden sie doch oft zum Gesprächsthema unter den Angestellten. Wer am Wochenende an einer Schwulenparty war oder mit dem Partner ein Wellnesshotel besucht hat, überlegt es sich vielleicht zweimal, seinem Arbeitskollegen oder seiner Chefin allzu viele Details zu verraten – aus Angst vor Sprüchen oder abwertenden Bemerkungen. «Statt über sein Privatleben zu berichten, herrscht oft eine betretene Stille», sagt Yann Lavenu von Network, der beim Verein für das Swiss LGBTI-Label zuständig ist. «Man zieht sich zurück.»

Eine Person, die am Arbeitsplatz akzeptiert sei, fühle sich wohler und arbeite produktiver – ein Gewinn für das Unternehmen. Damit sinke auch die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende das Unternehmen verlassen, so Lavenu. Aufwand und Kündigungskosten können damit reduziert werden. Besonders betroffen seien trans Menschen, die ihre Stelle nicht selten aufgrund einer bevorstehenden Geschlechtsangleichung verlieren oder aus Angst vor Ablehnung kündigen. Das Swiss LGBTI-Label soll es Unternehmen und Organisationen ermöglichen, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. LGBTIQ-­Personen erhalten das Versprechen, dass sie eine offene, inklusive und wertschätzende Organisationskultur antreffen.

«Wir möchten Firmen ermutigen, ihr Engagement im Bereich LGBTI zu verbessern.»

Auszeichnung über ein Punktesystem
Die Auszeichnung erfolgt in fünf Phasen und soll für KMUs 200 Franken kosten, für mittlere und grössere Firmen 2000 Franken. Geprüft wird, ob Unternehmen beispielsweise über eine Diversity-Strategie verfügen oder ob der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität in den Personalrichtlinien festgehalten sind.
Ein Punktesystem bewertet die bereits bestehenden Bemühungen in der Inklusion von LGBTIQ-Mitarbeitenden und soll aufzeigen, wo Nachholbedarf besteht. Nach drei Jahren findet eine erneute Überprüfung statt. «Wir möchten Firmen natürlich ermutigen, ihr Engagement im Bereich LGBTI zu verbessern», sagt Lavenu.

Ein öffentliches Ranking, wie das beispielsweise Stonewall in Grossbritannien oder die «Human Rights Campaign» in den USA jährlich herausgeben, ist vorerst noch nicht geplant. Ein Ranking mache erst Sinn, wenn sich genügend Unternehmen auszeichnen liessen und das Label etabliert sei, sagt Andrea Gurtner von WyberNet gegenüber der Mannschaft. «Die Akquisition von genügend Unternehmen ist unser primäres Ziel. Mit dem Swiss LGBTI-Label ausgezeichnete Arbeitgeber, werden wir auf unserer Website kommunizieren.»

Eine Mischung aus Selbstdeklaration und Kontrolle
Die Auszeichnung beruht auf den durch das Unternehmen ausgefüllten Fragebogen und den eingereichten Nachweisdokumenten. Die tatsächliche Umsetzung am Arbeitsplatz wird hingegen nicht kontrolliert. «Da wir begrenzte Ressourcen zur Verfügung haben, haben wir ein System mit einer Mischung aus Selbstdeklaration und Kontrolle vorgesehen», so Gurtner. «Eine Geschäftsstelle wird die Nachweisdokumente kontrollieren.» Zu diesem Zeitpunkt vor der Lancierung sei es schwierig, einzuschätzen, wie viel Arbeit die Kontrolle mit sich bringe.
Eine Auszeichnung ist sowohl für den ganzen Konzern als auch für einzelne Niederlassungen oder Filialen möglich. «Allerdings ist es eine Voraussetzung, dass die Konzernleitung über die ganze Sache informiert ist und sie aktiv oder zumindest passiv unterstützt», sagt René Stamm, nebst Yann Lavenu und Andrea Gurtner eine weitere Ansprechperson beim Swiss LGBTI-­Label. «Massgebend ist die Erreichung einer gewissen Anzahl von Punkten bei der Beantwortung des Fragebogens.»

Bis zur Lancierung am 13. Juni will die Leitung des Labels noch klären, in welcher Form Arbeitgeber die Auszeichnung kommunizieren können. Wer sich noch nicht als Träger der Auszeichnung qualifiziert, soll die Möglichkeit erhalten, sich als «committed to the LGBTI-Label» zu präsentieren.

www.lgbti-label.ch

Link zum Facebookevent.

Launch «Swiss LGBTI-Label»

Am 13. Juni wird das Swiss LGBTI-Label der Community in Zürich vorgestellt. Dabei soll der Nutzen sowohl für Unternehmen und Organisationen als auch für LGBTIQ-Arbeitnehmende aufgezeigt werden.

Mittwoch, 13. Juni,19 Uhr bis zirka 21 Uhr
Volkshaus, Stauffacherstr. 60, 8004 Zürich