Machs wie Joan Collins: Keine Sonne, keine Falten

Der Sommer ist da! Die Menschen zieht es ins Freie und an die Sonne. Bezüglich Hautschutz und -alterung ist jetzt besondere Vorsicht geboten, so Dr. med. Piotr J. Michel-­Dziunycz, Dermatologe und Spezialist für Hautkrebs an der Dermatologie Klink Zürich.

Männer sind eher von Hautkrebs betroffen als Frauen. Schweizer eher als Deutsche. Eine Erklärung für Ersteres dürfte sein, dass Männer aus einer falschen Eitelkeit heraus weniger zu Hautpflegeprodukten greifen als Frauen. Während Deutschland im Europavergleich im Mittelfeld liegt, führt die Schweiz die Hautkrebsstatistik an.

Ein Grund sind unter anderem die Alpen, in die sich die Schweizer Bevölkerung gerne zum Wandern oder zum Winterspot begibt. Das dürfte auch erklären, weshalb das in den Voralpen gelegene Bundesland Bayern bezüglich Erkrankungs- und Sterbezahlen im Deutschlandvergleich an erster Stelle steht. Ein weiterer Grund ist gemäss Dr. med Piotr J. Michel-Dziunycz die Reiselust der Schweizer*innen. «Vor allem im Winter besucht man gerne wärmere Länder, um dann gleich am ersten Tag mehrere Stunden am Strand in der prallen Sonne zu liegen», sagt der Dermatologe und Hautkrebsspezialist. «Trotz ausreichendem Sonnenschutz ist das für die an den Winter gewöhnte Haut ein Schock.»


Hautpflege an der Sonne

Sonnenschutz
Gemäss Dr. med. Piotr J. Michel-Dziunycz spielt es keine Rolle, welcher Markenname auf der Tube steht. Wichtig sind ein ausreichender Sonnen­schutzfaktor sowie ein UV-A- und ein UV-B-Filter und die Angabe der korrekten Inhaltsstoffe.
Tagescreme (morgens)
Wer keine Zeit in der Sonne verbringt, sich aber trotzdem im Freien aufhält, ist mit einer Tagescreme gut bedient. Der Spezialist empfiehlt einen Sonnenschutzfaktor von mindestens 30.
Nachtcreme (abends)
Nach der täglichen UV-Strahlung ist die Haut strapaziert und müde. Für eine Regeneration sorgen die Vitamine C und E. «Wenn diese Vitamine bei den Inhaltsstoffen erst am Schluss aufgeführt sind, ist zu wenig darin enthalten. Dann lieber zu einem anderen Produkt greifen», sagt er. «Bei einer guten Nachtcreme werden die Vitamine auf der Packung angepriesen.»

Bräunen oder Hautalterung vorbeugen?
Diese Gefahr besteht auch im Frühling. Obwohl sich die Haut mit den länger werdenden Tagen und dem schöneren Wetter schon ein bisschen an die wärmere Jahreszeit gewöhnen konnte, riskiert man immer noch einen Sonnenbrand, wenn man sich in der Mittagspause ungeschützt an die Sonne setzt. Von 11 bis 15 Uhr sind ihre Strahlen besonders intensiv. Der grösste Fehler vieler Menschen sei, dass sie nicht an den Sonnenschutz denken, wenn sie täglich aus dem Haus gehen, so Piotr. «Die UV-Strahlen sind jeden Tag da. Egal, ob es im Winter, Sommer, Frühling oder Herbst ist. Man soll sich nicht nur vor der Sonne schützen, wenn man an den Strand geht. Das wird in den wenigsten Fällen gemacht.» Für Piotr ist ein täglicher Sonnenschutz deshalb unerlässlich. Er empfiehlt eine Tagescreme mit einem integrierten Sonnenschutzfaktor 30. Nicht nur, um einem Sonnenbrand und einem schwarzen Hautkrebs vorzubeugen, sondern auch, um die Haut vor einer vorzeitigen Alterung zu schützen. Die UV-A-Strahlung der Sonne erweist sich dabei als zweischneidiges Schwert. Sie dringt tief in die Haut ein, wo sie einerseits die Produktion des Pigmentfarbstoffs Melanin anregt, andererseits aber auch die Hautstruktur beschädigt und so die Faltenbildung beeinflusst. Während UV-A-Licht also für eine schöne Bräunung sorgt, trägt sie auch wesentlich zur Hautalterung bei.

«Es kommt nicht von ungefähr, dass Joan Collins stets die Sonne meidet», sagt er schmunzelnd.

Solarien erweisen einen Bärendienst
Eine schonende und gesunde Bräunung soll gemäss dem Spezialisten aber dennoch möglich sein. Nebst einem ausreichenden Sonnenschutz mit einem UV-A- und UV-B-Filter empfiehlt Piotr eine gründliche Nachpflege der Haut, etwa in Form einer Nachtcreme mit vielen Vitaminen. Ein Irrglaube ist die Idee, sich mit regelmässigen Solariumbesuchen im Winter vorzubräunen und so die Haut für die Frühlingssonne zu wappnen. «Dort wird vor allem UV-­A-­Licht verwendet. Wer von Solarien gebräunt an die Sonne geht, ist immer noch empfindlich auf UV-B-Strahlung und riskiert einen gefährlichen Sonnenbrand», sagt Piotr. Er rät, die Sonnenstudios komplett zu meiden. «Mitteleuropäer mit einer hellen Haut vertragen 50 Sonnentage pro Jahr ziemlich gut. Wer im Sommer viel an der Sonne ist, im Winter in den Süden verreist und dann noch Solarien besucht, hat dieses Guthaben schnell aufgebraucht.»

Auch beruflich ein Paar: Mit der Eröffnung ihrer eigenen Klinik haben sich Piotr (links) und Stephan Michel einen Traum erfüllt.

Hautkrebs: Frühdiagnose wichtig
Es ist vor allem die UV-B-Strahlung, die zu gefährlichen Melanomen und damit zu schwarzem Hautkrebs führen kann. Piotr empfiehlt, Muttermale regelmässig auf Veränderungen gemäss der ABCDE-Regel zu untersuchen und bei Unsicherheiten einen Spezialisten oder eine Spezialistin aufzusuchen. Mit Ausnahme des Hautbilds gibt es keine Schmerzen oder sonstigen Symptome, die auf einen Hautkrebs hinweisen würden. «Höchstens, wenn sich Metastasen bilden, aber dann ist es bereits zu spät.» Eine aufmerksame Beobachtung von sich verändernden Muttermalen biete die beste Möglichkeit für eine Früherkennung und somit auf eine rasche Behandlung und Heilung. Der weisse Hautkrebs hat hingegen nichts mit Muttermalen zu tun. Er entsteht, wenn kleine Wunden und Verletzungen über längere Zeit nicht heilen. «Allerdings sind eher ältere Menschen ab Mitte 50 davon betroffen», sagt Piotr.


DIE ABCDE-Regel

A – Asymmetrie
Auffällige Muttermale haben eine unregelmässige, also asymmetrische, Form.
B – Begrenzung
Harmlose Muttermale und Pigmentflecken sind scharf begrenzt. Unklare, unebene oder gar raue Ränder sind ein Warnsignal.
C – Colour
Gefährlich sind farbliche Veränderungen sowie graue, rosa oder schwarze Punkte.
D – Dynamik
Gemäss Dr. med Piotr Michel-Dziunycz die wichtigste Eigenschaft. Sich verändernde Muttermale müssen unbedingt untersucht werden.
E – Erhabenheit
Über 1 mm hohe Muttermale oder solche, die ihre Höhe verändern, erfordern eine professionelle Begutachtung.

«Die Haut kann man lesen»
Gemeinsam mit seinem Partner Stephan Michel hat Piotr im April die Dermatologie Klinik Zürich eröffnet. Während Piotr als Dermatologe Patient*innen behandelt, ist Stephan für die betriebswirtschaftliche Führung der neuen Klinik zuständig. «Somit können wir uns auch nicht gegenseitig dreinreden», sagt Stephan lachend. Die Klinik war ein lang gehegter Traum der beiden und konnte nach eineinhalb Jahren im Westlink Tower in Zürich Altstetten realisiert werden. Nebst der Behandlung von Hautkrebs, Akne, Ekzemen und Geschlechtserkrankungen hat sich Piotr auf die ästhetische Dermatologie spezialisiert, darunter die Behandlung von Falten, Narben, Flecken und störenden Blutäderchen (Couperose). Auch chirurgische Schönheits­eingriffe gehören zum Spezialgebeit von Piotr, wie zum Beispiel Augenlidstraffung und Fettabsaugung. Die Haut gehört zum wichtigsten Organ des Menschen und hat Piotr vor allem mit ihrer Vielseitigkeit fasziniert. Im Gegensatz zu anderen Teilgebieten der Medizin müsse er als Dermatologe kein MRI, Röntgen- oder Blutbild erstellen, um seinen Patienten oder seine Patientin zu behandeln.

«Die Haut kann man wie ein Buch lesen, das ist das Schöne an ihr»

«Ob ein Patient Blutverdünner nimmt, sehe ich an seiner Haut. Am Hals und am Dekolleté einer Patientin kann ich ablesen, ob sie viel Zeit an der Sonne verbracht hat.» Bei Männern sind es das Gesicht, die Ohren und eine allfällige Glatze, die dem Dermatologen das individuelle Schutzverhalten an der Sonne verraten. Um die eigene Haut gesund und jung zu halten, muss sie für Piotr also so unleserlich wie möglich gemacht werden – mit ausreichendem Sonnenschutz!