«Pecorino nein, Schwuchtel ja» – Ein Kellner empört Rom

Zuerst ein «Computerfehler», dann ein «Scherz». Ganz Rom befasst sich mit dieser Bemerkung eines Kellners. (Bild: «gayhelpline.it»)
Ein Kellner eines Restaurants in Rom nahm die Bestellung von zwei Männern auf und schickte diese zusammen mit einem homophoben Schimpfwort an die Küche.

Nach dem Abendessen im Restaurant «Locanda Rigatoni» im Zentrum Roms gab es für zwei Männer mit der Quittung eine böse Überraschung. Nebst der Bemerkung, dass sie für ihre Rigatoni Carbonara keinen Pecorino wünschten, stand darunter «Frocio sì» – was soviel wie «Schwuchtel, ja» bedeutet.

Die beiden Gäste – ein 21-jähriger Römer und sein Verlobter – meldeten den Vorfall vom letzten Donnerstag umgehend der «Gay Help Line». Sie hätten einen ruhigen Abend verbringen wollen und lediglich Parmesankäse statt Pecorino gewünscht, berichtet die Corriere della Sera. Die Hotline ist eine Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen, die Gewalt oder Diskriminierung erfahren. Jährlich erhalte die Helpline bis zu 20’000 Meldungen, so der Sprecher Fabrizio Marrazzo.

Der Zeitung zufolge hatten der junge Römer und sein Verlobter den Kellner noch am selben Abend mit der Quittung konfrontiert. Dieser sprach zuerst von einem Computerfehler, danach von einem «Scherz». Und als die beiden ihm zu erklären versuchten, dass das Schreiben für sie beleidigend sei, intervenierte der Inhaber der Restaurants. Dieser erliess ihnen die Rechnung, um die Sache «zu regeln». Eine Entschuldigung gab es nicht, im Gegenteil: Der Kellner warf den beiden Jungs vor, dass er vor den anderen Gästen nun schlecht dastehe.

Ein Shitstorm für das Restaurant
Seit dem Publikwerden des Vorfalls überschwemmten Negativkritiken und Beschimpfungen die Profilseiten des Restaurants auf Plattformen wie Facebook oder Tripadvisor. Gegenüber den Medien bedauerten sowohl der Inhaber als auch Angestellte den Vorfall und bekräftigten, dass das Restaurant nicht homophob sei. Man sei LGBTIQ-freundlich und habe sogar mehrere «Regenbogen-Veranstaltungen», darunter auch die Feier einer eingetragenen Partnerschaft. Der betroffene Kellner sei nur eine Aushilfe bei regem Betrieb und mittlerweile entlasen worden.
«Das gesamte Management und die Mitarbeitenden haben die Locanda Rigatoni stets als offenes Haus für alle betrachtet», so eine offizielle Mitteilung des Restaurants. Man sei auch seit langem an Programmen zur Integration von Flüchtlingen beteiligt. «Wir bitten die LGBTIQ-Community, gemeinsam mit uns einen Weg zu finden, um die Werte der Toleranz, des Respekts und der Offenheit zu bekräftigen, die seit jeher die Grundpfeiler unserer Gastronomie sind.»

Helpline fordert Entzug der Lizenz
Marrazzo von der «Gay Help Line» bezeichnete den Vorfall als «eine sehr ernste Angelegenheit». Es sei inakzeptabel, dass ein schwules Paar nicht in ein Restaurant im Zentrum der Hauptstadt gehen könne, um einen schönen Abend ohne Beleidigungen zu verbringen. Marrazzo forderte Virginia Raggi, die Bürgermeisterin Roms, dazu auf, dem Restaurant die Lizenz zu entziehen. «Restaurants sind Lokale mit einer öffentlichen Lizenz. Daher dürfen solche diskriminierenden Ereignisse nicht toleriert werden.»
Die Stadtverwaltung bezeichnete den Vorfall als «schwerwiegend» und kündigte eine Untersuchung an. «Wir verurteilen alle Formen von Diskriminierungen und Beleidigungen, die auf die Würde und persönliche Freiheit eines Einzelnen abzielen» schreibt Carlo Cafarotti, Stadtrat für die städtische Wirtschaftsentwicklung, in einer Mitteilung. Er wies darauf hin, dass Rom eine Hauptstadt der Inklusion sei. Die Kultur der Akzeptanz werde bereits in Kursen für Mitarbeitende im Tourismussektor thematisiert, darunter Taxifahrer, Gastronomen und Hotelfachpersonen.
«Solche Vorfälle schaden dem Image Roms in den Augen der Welt und haben verheerende Auswirkungen auf den Tourismus», sagte auch Carlo Rienzi, Präsident des italienischen Konsumentenschutzes.

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