Stänkern gegen PrEP-Pläne: Jens Spahn (CDU) in der Kritik

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Der Chefredakteur der Magdeburger Volksstimme findet: Wenn die Kassen Medikamente zahlen sollen, damit schwule Männer ohne Kondom Sex haben können, können man auch anregen, dass die Krankenkassen Fahrradhelme finanzieren.

Ein Kommentar des Chefredakteurs der Magdeburger Volksstimme zur geplanten Kosten-Übernahme der PrEP bei Risikogruppen sorgt für Ärger: So hatte Alois Kösters am Samstag geschrieben: „Das passt überhaupt nicht. Die Kassen zahlen nicht den vollen Grippeschutz. Und die zahlen auch nicht alle Reiseimpfungen, die möglich wären. Aber jetzt sollen sie Medikamente zahlen, damit schwule Männer ohne Kondom Sex haben können.“

Die AIDS-Hilfe Sachsen-Anhalt zitiert aus Kösters‘ Kommentar, der online nicht erhältlich ist: „Alle Versicherten sollen also dafür zahlen, dass ein besonders risikoreiches Sexualverhalten zumindest kein AIDS verursacht. Logischer wäre es, die Kassen würden als Schutz vor einer ganzen Reihe von Geschlechtskrankheiten Kondome finanzieren. Auch diese Diskussion gab es schon. Sicher würden möglicherweise einige AIDS-Infektionen verhindert werden.“

Jens Spahn
Foto: jens-spahn.de

Jens Spahn – zu nah an den Begünstigten?
Mit dem gleichen Argument könne man anregen, dass die Krankenkassen Fahrradhelme finanzieren, so Kösters in dem Kommentar, der die AIDS-Hilfe Sachsen-Anhalt aufbringt. Sie zitiert Kösters in einer Pressemitteilung von Montag weiter: „Es verwundert schon sehr, dass ein als liberal geltender Politiker wie Jens Spahn anregt, dass die Gemeinschaft die Risiken abfedern soll, die der Einzelne gar nicht eingehen müsste. Eine gewisse Nähe des Bundesministeriums zu den Begünstigten mag da eine Rolle gespielt haben.“ (Es gibt auch in der LGBTIQ-Community kritische Stimmen zur PrEP..)

Sven Warminsky ist Landesgeschäftsführer der AIDS-Hilfe Sachsen-Anhalt (Foto: AIDS-Hilfe)

Völlig absurd und inakzeptabel

Dazu erklärt der Landesgeschäftsführer der AIDS-Hilfe Sachsen-Anhalt e.V., Sven Warminsky: „Der Kommentar von Herrn Kösters ist völlig absurd, inakzeptabel und zeigt deutlich, dass er von der Materie nicht viel versteht. Er dient lediglich der Diskriminierung von Menschen, die sich aktiv für ihre Gesundheit einsetzen und sich schützen. In unseren Nachbarländern wird die PrEP bereits länger und auf Kosten der Kassen oder des Staates angewandt. Hier gibt es tolle Erfolge und ich erinnere mich nicht, dass bei der Einführung die „Nähe … des“ jeweiligen Ministers „zu den Begünstigten … eine Rolle gespielt haben…“ mag, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse, so Warminsky.

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